Fotos von verrückt gekleideten, fröhlich feiernden jungen Menschen hatte er schießen wollen. Was Bodo Eckert aus Remscheid dann am Samstag bei der Loveparade in Duisburg durch den Sucher seiner Kamera sah, ließ ihn das Fotografieren zwischenzeitlich einstellen.
„Ich konnte, ich wollte da nicht überall draufhalten“, sagt der passionierte Hobbyfotograf und Werksfeuerwehrmann eines Automobilzulieferers im Bergischen Land. Auch so haben sich die Szenen in sein Gedächtnis gebrannt.
Dabei habe alles so unbeschwert begonnen, sagt Eckert mit Blick auf seine Fotoausbeute von der Loveparade 2010. Bereits am frühen Nachmittag ist der 54-Jährige mit einem Kollegen wie alle Gäste der Technoparade durch den späteren Todestunnel auf das Partygelände gelangt. Eckert findet viele Motive. „Die Leute waren bunt gekleidet, waren gut drauf, haben gleich für die Kamera geposed.“ Das sind die Fotos, die der Remscheider haben will.
Bester Stimmung ist die Truppe auch noch auf den ersten Metern des Rückweges. Gegen 17.30 Uhr lassen die Männer sich treiben in der in Richtung Tunnel zurückflutenden Menschentraube. Was sie nicht wissen: Wenige Minuten zuvor ist es dort zur Katastrophe gekommen. Eckert: „Ein Polizist sagte nur „Da unten gibt es Tote“. Frauen weinten, Raver lagen auf dem Boden, Rettungsteams waren im Einsatz.“
„Ich hab’ da gar nicht weiter reingucken wollen“
Bodo Eckert, der Werksfeuerwehrmann, bietet seine Hilfe an. Doch die Opfer werden bereits medizinisch versorgt. Also blickt der Remscheider wieder durch seine Kamera und fotografiert: Menschen, die um ihr Leben kämpfen. Menschen, die apathisch auf dem Boden hocken. Menschen mit schweren und leichten Blessuren. Allesamt sind es Dokumente eines erschütternden Desasters. Nur in den Tunnel traute er sich nicht, sagt der 54-Jährige. „Ich hab’ da gar nicht weiter reingucken wollen.“
Andere Besucher der Loveparade zeigten sich von Tod und Leid weniger beeindruckt. Eins der Bilder, das er unserer Zeitung zur Verfügung stellte, zeigt das drastisch: Während Helfer versuchen, am Boden liegende Opfer zu reanimieren, stolpert am rechten Bildrand ein junger Mann mit Bierdose durch die Szenerie. „Er war keine Ausnahme“, sagt Eckert.
Wieder zu Hause, brauchte der Hobbyfotograf lange, um zu realisieren, was er in Duisburg eigentlich erlebt hatte.
Erst am Sonntagabend lädt er die Aufnahmen auf seinen Fotorechner und vergleicht sie mit denen, die längst durch das Fernsehen und das Internet flimmern. „Erst da wurde mir klar, was wirklich abgelaufen war.“