BEHINDERTENSPORT Ex-TSGer Sebastian Czpakowski spielt nach einer schweren Verletzung heute Sitzvolleyball.
Von Fabian Herzog
Es war ein Schicksalsschlag, der sein Leben verändert hat. Anfang Februar des vergangenen Jahres fiel Sebastian Czpakowski bei einem Arbeitsunfall von einer Leiter und zertrümmerte sich kompliziert das Sprunggelenk. Nach zehn Operationen musste das Gelenk schließlich versteift werden. Für den leidenschaftlichen Volleyballer, der vor fünf Jahren einige Saisons bei der TSG Solingen – unter anderem in der Regionalliga – aktiv war, war es nicht nur aus sportlicher Sicht ein herber Schlag. Doch Czpakowski ließ sich nicht unterkriegen und lernte, mit der (leichten) Behinderung zu leben. „Ich war schon immer ein Stehaufmännchen“, sagt der Wuppertaler, der sich auch dank seiner Verlobten mehr und mehr im Alltag zurecht und eine neue sportliche Leidenschaft fand.
„Die anderen sind einfach schneller, da stört es schon, dass ich zwei Beine habe.“
Sebastian Czpakowski Volleyballer
Relativ zufällig landete er als Zuschauer bei der Deutschen Meisterschaft der Sitzvolleyballer, wo er sich schnell von der Geschwindigkeit der Sportart begeistern ließ. Einige Trainingseinheiten und Spiele mit Bayer Leverkusen später war das Feuer bei ihm endgültig entfacht, was ihn kurz darauf zum Nationalspieler werden ließ. Unter Bundestrainer Rudi Sonnenbichler absolvierte Czpakowski mittlerweile schon zwei Lehrgänge und kämpft seit dem Wochenende in Kairo (Ägypten) um die Qualifikation für Paralympics 2012. „Das ist unser großes Ziel, das jeder von uns vor Augen hat“, so der 37-Jährige.
Paralympics-Qualifikation läuft in Ägypten
Um sich ein Ticket für London zu sichern, muss sich Deutschland gegen die ebenfalls noch nicht qualifizierten Teams durchsetzen. Dazu zählen Ägypten, Brasilien, Irak, Iran, USA, Marokko, Kroatien, Russland, Ukraine, Niederlande, England und Kolumbien. Czpakowski: „So wie ich gehört habe, stehen unsere Chancen ganz gut.“ Und damit auch Czpakowskis Chancen, im Sommer bei den Paralympics dabei zu sein. „Das ist natürlich sehr reizvoll“, sagt der 37-Jährige, der aufgrund seiner Körpergröße (2,01 m) und seiner exzellenten Volleyball-Ausbildung samt Bundesliga-Erfahrung einige Vorteile mitbringt und einen Platz im Kader fast sicher zu haben scheint. Gewöhnen muss sich der Wuppertaler allerdings noch an die Bewegungsabläufe. „Die anderen sind einfach schneller“, erzählt Czpakowski, „da stört es schon, dass ich zwei Beine habe.“ Insgesamt hat der ehemalige TSG-Angreifer große Freude an seiner neuen Sportart. „Der Spaßfaktor ist genau so hoch wie früher. Das ist absolut genial“, sagt Sebastian Czpakowski, der auch dank des Sitzvolleyballs gelernt hat, mit seinem Schicksalsschlag zu leben.