BASEBALL Die Solingen Alligators schließen ihre Personalplanung für die Bundesliga-Saison ab. Nächste Woche ist Trainingsauftakt.
Von Martin Auer
Erst Mainz, dann Regensburg, zuletzt Heidenheim: Dreimal in Folge schieden die Solingen Alligators im Halbfinale um die Deutsche Meisterschaft gegen den späteren Titelträger aus, nachdem sie 2006 selbst Meister geworden waren. Das Personal für den nächsten Angriff auf den Titel steht nun fest. Ganz entscheidend für die Chancen des Teams vom Weyersberg wird sein, wie die neuen Amerikaner Damon Lessler und Josh Rickards einschlagen. Sie werden Anfang März wenige Wochen vor dem Saisonstart in Solingen erwartet. Das letzte neue Gesicht im Bundesliga-Kader ist der 22-jährige Ukrainer Oleksandr Serhiyenko, der bislang aufgrund der Ausländerbeschränkung nur im Regionalliga-Team zum Einsatz kam.
Ende dieser Woche wird Alligators-Trainer Andy Fleischacker von seinem Heimaturlaub in den USA zurückerwartet. Trainingsauftakt ist am Sonntag das Solinger Sponsorenschwimmen, aber danach geht es mit Volldampf in die Vorbereitung. Mit zwei greifbaren Vorteilen gegenüber dem Vorjahr. Mit ihrem überdachten Schlagkäfig am Weyersberg sind die Alligators unabhängig vom Wetter, und erstmals seit Jahren muss sich das Team nicht an einen neuen Trainer gewöhnen. Andy Fleischacker hatte überdies den Vorteil, sich die neuen US-Schlüsselspieler der Alligators selbst in den USA aussuchen zu können. Der neue Pitcher Josh Rickards, quasi der Ersatz für Enorbel Marquez, sandte dem Solinger Coach 20 DVDs mit seinen Spielen, bevor die Verpflichtung perfekt war.
Bei 1,73 Meter keine Chance als Profi
„Josh hat viel Erfahrung, er hat gegen sehr sehr starke Gegner in den USA gepitcht“, lautet das Urteil von Fleischacker über den 23-Jährigen, der vier Jahre lang Starting Pitcher der Marist University in New Jersey war. Als Profi hatte Rickards zu Hause keine Chance, weil er nur 1,73 Meter groß ist. Mit den Nationalspielern André Hughes, Nils Hartkopf und Jens Cornelsen, dazu Robin Drache und Bastian Bernards, dürften die Solinger zumindest in der Breite das beste Pitching in Deutschland haben.
Der Eins-zu-Eins-Ersatz für den ziemlich sicher nach Heidenheim abwandernden Chris Beck ist der 28-jährige Damon Lessler. „Chris liegt offenbar ein vierstelliges Angebot aus Heidenheim vor, da würden wir nicht mal mitziehen, wenn wir es könnten“, erklärt Alligators-Vorstand Guido Götze - bei fast ausschließlich lupenreinen Amateuren wolle man sich die Struktur nicht kaputtmachen. Rickards bringt gute Voraussetzungen mit, den 2008 sensationellen und 2009 immer noch herausragenden Schlagmann Beck voll zu ersetzen. „Er hat jedenfalls in den USA auf einem Profi-Niveau gespielt, das Chris Beck nie erreicht hat“, berichtet Götze. Rickards ist derzeit als Nachwuchs-Coach in Kalifornien tätig und wird auch in Solingen als Jugendtrainer arbeiten. Seine Spezialität: Er ist ein „Switch-Hitter“, kann mit rechts und links schlagen.
Oleksandr Serhiyenko ist bereits seit vier Jahren Alligator, bislang verhinderte die Ausländer-Klausel seine Bundesliga-Einsätze. Bei zwei im Feld spielenden Amerikanern ist das Kontingent ausgeschöpft. Das ist diesmal nicht der Fall, weil Josh Rickards als reiner Pitcher nicht unter diese Begrenzung fällt. Als schneller Linkshänder ist Serhiyenko der optimale Ersatz für den offensivstarken Ernie Nsien, der wegen beruflicher Perspektiven zu den Bonn Capitals wechselt. Nsien wäre in der neuen Saison wohl die Stammbesetzung des „Designated Hitters“ geworden. Die Rolle des Schlagmanns, der nicht in der Abwehr spielt und nur offensiv den Pitcher ersetzt, dürfte nun Serhiyenko zufallen.