DAS SPIEL Der BHC verspielt eine Sechs-Tore-Führung und siegt 16 Sekunden vor Schluss durch seinen Isländer.
Von Martin Auer
Endlich mal Zittern mit Happy End beim BHC, aber auch eine gehörige Portion Glück: 50 Sekunden vor dem Abpfiff steht es 22:22, Zeitspiel ist angezeigt, und „Löwe“ Fabian Böhm bleibt mit seinem Sprungwurf im Deckungsblock hängen. Der Ball ist bereits in einer Wetzlarer Hand, als Böhm im Sinkflug noch von der Faust des Wetzlarers Georgios Chalkidis getroffen wird. Statt eines Wetzlarer Gegenstoßes gibt es die dritten zwei Minuten gegen Chakidis, rote Karte, sowie erneuter Ballbesitz und aufgehobenes Zeitspiel für den BHC. In Überzahl steigt Runar Karason hoch, knallt das Leder 16 Sekunden vor Schluss zum 23:22 in die Wetzlarer Maschen. Der Jubelsturm in der Unihalle wird zum Orkan, als Mario Huhnstock den letzten Verzweiflungswurf von Wetzlars Alois Mraz pariert.
Vier Stunden nach dem Gummersbacher Heimsieg über Magdeburg zog der BHC damit im Abstiegskampf nach. Das dramatische Finale hatten sich die „Löwen“ selbst eingehandelt: mit einer fast elfminütigen Torflaute nach der Pause, in der aus einem 19:14-Vorsprung ein 19:19 wurde.
Oelze startet schwach und beißt sich rein
Die Truppe von Trainer HaDe Schmitz hätte sich damit beinahe um die Früchte einer tollen Abwehrleistung in Halbzeit eins gebracht. Gegen den Abwehrverband um den bärenstarken Carlos Prieto, mit dem gut aufgelegten Mario Huhnstock dahinter, sah Wetzlar vor der Pause wie ein Abstiegskandidat aus, schaffte ganze acht Tore. Zwar war auch das BHC-Angriffsspiel zunächst zu statisch und fehlerhaft, aber der schwach gestartete Spielmacher Alexander Oelze biss sich in die Partie und trug ebenso wie Rechtsaußen Richard Wöss fünf Treffer zur 12:8-Pausenführung bei.
Weil Wetzlars Nationalspieler Philipp Müller mit dem Pausenpfiff nach einem Schlag ins Gesicht von Jiri Vitek Rot sah, startete der BHC in Überzahl in den zweiten Abschnitt und lag schnell auch 14:8 vorne. In der Folge wurde das Wetzlarer Angriffsspiel stärker, aber bis zum 19:14 (41.) per Gegenstoß von Wöss hielt der BHC dagegen. Rot nach der dritten Zeitstrafe gegen Kenneth Klev (42.) war eigentlich kein Grund für einen Bruch, aber es folgten etliche per Gegenstoß bestrafte Fehler im Angriff. Erst nach der Auszeit von Schmitz bei 19:19 (52.) fasste der BHC wieder Tritt, ging durch Karason und Böhm 21:19 (56.) in Führung. Aber jetzt hellwache Gäste zwangen dem BHC nochmal einen Krimi auf.