POLITIK Inge Brümmer will nach 13 Jahren zu den Sozialdemokraten zurückkehren. Sie folgt Markus Preuß. BfS ist verärgert.
Von Thomas Kraft und Jörn Tüffers
Die Bürgergemeinschaft für Solingen (BfS) verliert ein weiteres Ratsmitglied. Inge Brümmer (69) hat den politischen Verein verlassen und will sich wieder der SPD anschließen. Der gehörte sie bereits einmal an; nach den Querelen in Folge der verheerenden SPD-Wahlniederlage 1999 gab sie ihr Parteibuch zurück und fand schnell eine neue politische Heimat in der kurz zuvor gegründeten BfS.
Brümmer wirft der Führung um Heinz und Martin Bender vor, sie kümmere sich nicht um Behinderte. Weil sie nach einer schweren Erkrankung vor einigen Jahren nur noch eingeschränkt mobil sei, habe sie sich immer wieder dafür rechtfertigen müssen, wenn sie aus gesundheitlichen Gründen Sitzungen verpasst habe.
Am Freitag war bereits bekannt geworden, dass der ehemalige Oberbürgermeister-Kandidat Markus Preuß aus der BfS austritt. Auch er will sein Ratsmandat behalten und ebenfalls bei der SPD eine neue politische Heimat suchen. In der Jugend gehörte er in Wuppertal den Jusos an, sein Vater war Sozialdemokrat.
Neumann über Preuß: „Jeder darf mal einen Fehler machen“
SPD-Parteichef Josef Neumann sagte, in seiner Partei sei jeder willkommen, der auf dem Boden demokratischer und rechtsstaatlicher Grundwerte und hinter den SPD-Prinzipien stehe. Vor diesem Hintergrund stehe er auch einem Beitritt von Preuß offen gegenüber.
Noch vor wenigen Wochen hatte Neumann ihn scharf kritisiert. Preuß hatte sich als Polizeihauptkommissar in einem Radio-Interview missverständlich zur Wuppertaler Neonazi-Szene geäußert. „Jeder darf mal einen Fehler machen“, sagt der SPD-Chef heute. Preuß müsse sich darauf einstellen, dass er angesichts dieser Vorgeschichte in der SPD kritisch beäugt werden würde. Weder Preuß noch Brümmer haben bisher einen Aufnahmeantrag bei der SPD gestellt.
BfS-Chef Martin Bender wirft der 69-Jährigen vereinsschädigendes Verhalten vor und bereitet ein Ausschlussverfahren vor. „Sie hat ihre Dienste bereits vorab anderen Fraktionen angeboten“, sagt er. Es werde nun ein Schiedsverfahren in Gang gesetzt, um den Sachverhalt aufzuklären. Nach einem Schiedsspruch müsse dann die Mitgliederversammlung über die Konsequenzen entscheiden.
Bender verschweigt seinen tiefen Ärger über die langjährige Fraktionskollegin nicht. „Wir haben sie jahrelang getragen und alles getan, um sie einzubinden. Der Entschluss kam für mich überraschend, und ich empfinde ihn schlimmer als den Preuß-Austritt.“
Obwohl die BfS-Fraktion im Rat von acht auf sechs Sitze geschrumpft ist, sieht Martin Bender die Schlagkraft nicht beeinträchtigt. Im Mehrheitsbündnis gehe es nicht um Proporz, sondern um Resultate. Weiteren personellen Aderlass befürchte er nicht.
In der CDU setzt kein großes Werben um Preuß und Brümmer ein. „Wir verschließen keinem die Tür“, sagt Fraktionsvize Carsten Becker. „Aber wir müssen uns auch nicht anbieten wie sauer Bier.“