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29.07.2010 10:02
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Zwei Arbeiter in Stickstofftank erstickt

Bei einem schweren Arbeitsunfall in einem metallverarbeitenden Betrieb im Industriegebiet Dycker Feld sind gestern Morgen ein 24-jähriger und ein 27-jähriger Arbeiter ums Leben gekommen. Ein weiterer Kollege (37) wurde schwer verletzt, außerdem zog sich ein Feuerwehrmann (36) beim Bergungsversuch der toten Arbeiter Erfrierungen zu.

Stickstoff

Lebensgefahr

Das Einatmen von reinem Stickstoff hat eine rasche Bewusstlosigkeit zur Folge und wirkt schnell innerlich erstickend. Schon in geringen Dosen wirkt es narkotisch, Stickstoffoxide sind stark toxisch. Stickstoffmonoxid ist ein Atemgift, das die Atemfunktion im Blut blockiert, als Folge tritt eine Blauverfärbung der Haut auf.

Die zwei Arbeiter sollten in einer rückwärtig gelegenen Betriebshalle nach der Frühstückspause gegen 9.20 Uhr einen halboffenen Kesselerdtank reinigen. Dafür war nach den bisherigen Ermittlungen der Kriminalpolizei am vergangenen Montag flüssiger Stickstoff aus dem stets mit vier Halbdeckeln aus Stahl verschlossenen Erdkessel abgelassen worden. In dem Stickstoffbad, das eine Temperatur von über minus 150 Grad hat, werden Galvanikgestelle von Kunststoffresten gereinigt. Der Isolierstoff wird durch das starke Abkühlen mit Stickstoff spröde und kann vom Metall abgeschlagen werden.

Tödliche Dämpfe und Temperaturen von -150 Grad

In der über vier Meter tiefen Erdgrube müssen sich aber noch Stickstoffreste befunden haben: Am Kesselboden herrschte jedenfalls noch minus 150 Grad Kälte. Normalerweise erfolgt die Kesselreinigung dann mit einem mechanischen Rechen, der über einen Ausleger betrieben wird. Ob der 24-Jährige dabei ohnmächtig geworden ist und in den Erdtank stürzte oder ob er leichtsinnig zur manuellen Säuberung ungesichert über eine Leiter in den Tank hinabgestiegen ist, ist noch unklar. Fest steht, dass ihn sein Kollege (27) retten wollte: Er stieg jedoch ungesichert in den Tank, wurde bewusstlos und versank ebenso in den eisigen Stickstoffdämpfen.

Noch ein Rettungsversuch scheiterte: Ein Kollege (37) - diesmal angeseilt und von Betriebsangehörigen gesichert - stieg in die eisige Kälte, verlor sofort das Bewusstsein. Er konnte aber von seinen Kollegen aus der Todesfalle gezogen werden. Er erlitt Erfrierungen an den Beinen, kam ins Klinikum. Schon mittags war er außer Lebensgefahr, war wegen Schocks aber nicht vernehmungsfähig.

Die Feuerwehr, die mit einem Großaufgebot anrückte, versuchte unter strengen Sicherheitsvorkehrungen die beiden Arbeiter aus dem Erdtank zu bergen: Ein Feuerwehrmann (36) stieg mit Atemschutzmaske in die Grube, zog sich dabei leichte Erfrierungen an den Zehen zu.

„Wir konnten sie nicht bergen, da die Körper in der eiskalten, dampfenden Grube am Boden festgefroren waren. Unser Mann konnte aber nicht länger in der Grube sein, da sich in der Kälte seine Atemschutzmaske aus Gummi aufzulösen drohte“, sagte Feuerwehr-Chef Frank-Michael Fischer gegen 10 Uhr. Die Bergung der Toten gelang erst gegen 12 Uhr, nachdem zwei Stunden lang Wärmegeräte heiße Luft in den Erdkessel geblasen hatten.

Kollegen, Nachbarn und besten Freund verloren

Derweil kümmerte sich Notfall-Seelsorgerin Renate Tomalik um die geschockten Firmen-Mitarbeiter. Dominik Mones (25) und Daniele Cardaci (19) rangen um Fassung: „Wie das passiert ist, wissen wir nicht, wir waren nicht dabei. Aber dann herrschte Panik. Wir haben versucht, beide mit Eisenstangen vom Kesselboden loszubekommen. Es ging nicht.“ Der 25-Jährige schluchzend: „Ich habe nicht nur Kollegen verloren, sondern auch meinen Nachbarn und besten Freund.“ Der 27-Jährige habe erst kürzlich geheiratet. Der 24-Jährige ist ledig, hat aber seine Familie in Solingen.

„Wir sind hier alle schockiert, finden keine Worte mehr“, sagte Renate Schmitz, Chefin des Betriebes, der mit 40 Mitarbeitern seit 18 Jahren im Dycker Feld Galvanik-Gestelle produziert. Ob Sicherheitsvorschriften missachtet wurden, kann sie nicht sagen. „Ich weiß nur, dass wir eine der modernsten Stickstoff-Reinigungsanlagen in ganz Deutschland haben.“

Die Kripo ermittelt, die Bezirksregierung (Arbeitsschutz) ist eingeschaltet. hpm

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  Thomas Lehmann, 94526 Metten 29.07.2010 13:10:05
Die Temperatur von flüssigem Stickstoff beträgt -196 Grad Celsius, das ist deutlich weniger als -150 Grad!
  Gerd-Bodo Dick, Lorch 16.08.2010 18:28:04
Die Bilder zeigen aber auch, daß die Erstretter(Feuerwehr) nicht die notwendigen persönlichen Schutzausrüsstungen (PSA) für Tiefsttemperaturen tragen.
  , Solingen 04.09.2010 21:11:06
Steven wir werden dich nie vergessen
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