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24.02.2012 10:05
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Yoseph - ganz allein im Wald

Von Uli Preuss

Angst darf ein echter Mann zugeben. Und Yoseph ist ein Mann – bald. Der Neunjährige ist seit einem Jahr in Solingen, stammt wie seine Eltern aus Addis Abeba in Äthiopien und geht auf die Grundschule Erholungsstraße. Und Angst hatte er am späten Nachmittag des 9. Februar. Da war Yoseph im Hammertal aus dem Bus gestiegen und schlichtweg in die falsche Richtung gestiefelt. Bald verirrte er sich im Lochbachtal und war bei einbrechender Dunkelheit „ganz schön ratlos“.

Vorbildlich findet Stefan Kronenberg, Solingens Polizeichef, das Verhalten zweier Schüler, die kurz darauf auf Yoseph trafen. Sie sahen den hilflosen, noch dazu völlig durchgefrorenen Jungen am Bach unweit der Bebelallee stehen und sprachen ihn an.

„Das erleben wir leider nicht oft“, weiß der Solinger Polizeichef und lud kurzerhand Yoseph Alemayehu, die Freunde Florian Eck und Dorian Wörtmann nebst Eltern zur kleinen Feierstunde in die Polizeiinspektion ein.

Allen im Raum ist bewusst, was hätte passieren können, wenn Dorian (13) und Florian (15) nicht gekommen wären. „Es war an diesem Tag bitterkalt und die Dämmerung hatte eingesetzt“, macht Polizist Kronenberg noch einmal deutlich. Nicht auszudenken, wie groß der Einsatz verlaufen wäre, wenn Yoseph bei Einbruch der Dunkelheit immer noch alleine im Lochbachtal gewesen wäre. Die Eltern von Yoseph hatten bereits eine Vermisstenanzeige gestellt, der sonst so pfiffige Junge war am Nachmittag vom Schwimm-unterricht nicht wie gewohnt nach Hause auf die Ankerstraße gekommen. Dass Yoseph die Orientierung verlor, mag daran liegen, dass die äthiopische Familie erst seit neun Tagen dort in Merscheid wohnte.

Gemeinsam wurde im Tornister nach Yosephs Adresse gesucht

„Wir haben einfach Hallo gesagt und er hat geantwortet“, erinnert sich Dorian, der wie sein Freund auf die Friedrich-Albert-Lange-Gesamtschule in Wald geht. Dass sich Yoseph hoffnungslos verlaufen hatte, gestand der kleine Kerl sofort. Die Freunde handelten wie Profis. „Wir haben eine Dame angesprochen, die mit ihrem Hund spazieren ging“, erinnert sich Florian. Gemeinsam habe man im Schultornister nach einer Adresse oder einer Telefonnummer gesucht. Als alles nicht mehr half und es immer dunkler und kälter wurde, haben die jungen Retter per Handy die Polizei gerufen. Als die kam, tat der Junge das, was er aus seiner Heimat kannte. Yoseph: „Ich wollte weglaufen, denn bei uns hat man Angst vor der Polizei.“

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