KOTTENFESTE Intime Einblicke in zwei Schleifstätten erhielten Gäste an diesem Wochenende.
Der kleine Jan läuft glücklich auf seine Eltern zu. „Guck mal, Mama, ich habe mein eigenes Messer zusammengebaut.“ Stolz hält er ein „Zöppken“ in die Höhe. „Das nennt man Reiden“, erklärt der Achtjährige fachmännisch. Reiden bedeutet fertigmachen, bereitstellen.
Am Sonntag konnten Kinder im Wipperkotten Messerheft und -schneide unter der Leitung von Schleifer Ralf Jahn zusammenbauen. 1602 wurde der Wipperkotten erstmals urkundlich erwähnt und die Schleiferei ist bis heute produzierender Betrieb für den Schliff von Schneidwaren. Der Förderverein um Lutz Peters hatte unter dem Motto „Damit sich das Rad noch lange weiter- dreht“ zum Schleiferfest geladen.
Der Balkhauser Kotten wird als Museum genutzt
Aus Wuppertal kamen Lieselotte und Klaus-Werner Schnichels. „Wir kommen jedes Jahr und lassen Messer und Scheren hier schleifen. Es ist faszinierend, den Schleifern über die Schulter zu schauen“, sagt Klaus-Werner Schnichels. Außerdem lieben sie die kulinarischen bergischen Spezialitäten. Auch die Führung lassen sie sich nicht entgehen. „Wir unterstützen den Förderverein seit Jahren, weil dieses Kleinod erhalten bleiben muss.“
Erhalten bleiben soll auch der Balkhauser Kotten. Darum kümmert sich das Kuratorium Balkhauser Kotten. Der Verein engagiert sich mit viel Liebe zum Kotten und dem traditionellen Solinger Schleiferhandwerk. Er ist sehr um das Denkmal bemüht. Viel Unterstützung vor Ort erfährt der Verein von dem Kustoden-Ehepaar Margret und Engelbert Schmitz, die im Kotten wohnen, leben und wirken. Der Kotten wird als Industrie- und Schleifermuseum genutzt und ist eines der bekanntesten Wahrzeichen der Stadt.
Beim diesjährigen Sommerfest standen die Führungen durch den stellvertretenden Vorsitzenden Heinz-Peter Knoop auf dem Programm. Seit 1980 ist Knoop dem Kotten verbunden und kann fast jede Frage beantworten. Bei den Führungen mit Kindern ist er in seinem Element. „Was nützt uns unser Engagement, wenn bei den nachfolgenden Generationen kein Interesse geweckt wird“, erklärt Knoop und wird in diesem Jahr auf die Schulen zugehen, um Führungen anzubieten.
Das ST trifft auch hier Familie Schnichels. Beide finden es sehr schade, dass die Feste am selben Tag stattfinden. „Das war eine Fahrerei durch Solingen, um beide Events zu besuchen. Das ist keine gute Organisation.“ Beim Pöhlchenschieten, dem Spiel der Schleifer, vergessen sie ihren Ärger und haben viel Spaß. mr