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03.09.2010 11:57
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Zum Jubiläum ganz erhaben

Tradition zum Anfassen: Im Betrieb an der Katternberger Straße begegnet man ihr fast an jeder Ecke. „Die Maschinen in der Verzahnerei hat noch mein Großvater gebaut“, sagt Geschäftsführer Dr.-Ing. Karl-Peter Born. Franz Güde war der Erfinder des Wellenschliffs für Brotmesser; inzwischen erhalten beispielsweise Steakmesser ihre Zähne auf den bewährten Anlagen.

Seit 100 Jahren behauptet sich die Messer-Manufaktur am Markt. Heute Abend erwartet Born rund 200 geladene Gäste, um mit ihnen das Jubiläum zu feiern. Pünktlich zum Fest kann er die neue Messerserie „Delta“ präsentieren. Die Form ist klassisch, die Technologie aber wurde zusammen mit der Gesenkschmiede Julius Kirschner neu entwickelt: Der Metallgriff hat eine erhabene Einlage aus Holz.

Rund 120 Euro soll ein „Delta“-Kochmesser mit 21 cm langer Klinge kosten. Käufer für seine hochwertigen Schneidwerkzeuge findet Born vor allem in Deutschland; der Exportanteil liegt bei zirka 30 Prozent. „Wir sind dabei, das Exportgeschäft zu pushen“, erklärt der Geschäftsführer. „Da ist noch jede Menge Luft drin.“ Vor allem der amerikanische Markt sei reizvoll.

In dem 1933 bezogenen Gebäude an der Katternberger Straße (vorher war man an der Kanalstraße ansässig) produzieren die 20 Mitarbeiter momentan schon vor. Born: „Wir bauen ein bisschen ein Lager auf für die Weihnachtszeit. Die Aufschwungseuphorie kann ich nicht teilen; wir haben ein normales Geschäft. Aber wir mussten bis jetzt keinen Tag kurzarbeiten.“

Allen Interessenten öffnet Karl-Peter Born am 17. und 18. September die Türen. Dann beteiligt sich Güde an der Aktion „Solingen 24 Stunden live“. Die Produktion läuft am Freitag von 15 bis 19 Uhr und am Samstag von 10 bis 15 Uhr. Natürlich werden die Messer auch zum Kauf angeboten.

Güde-Produkte sind auch im neuen Museumsshop auf Schloss Burg zu finden, der „Bergischen Schatzkammer“ (ST berichtete). Born: „Nach Burg kommen Menschen aus aller Welt. Es wäre doch ein Trauerspiel, wenn es dort keine Solinger Messer gäbe.“ Wie man Aufmerksamkeit erregt, bewies der heute 54-Jährige schon 1989: Damals schaffte es Güde mit dem größten Messer der Welt ins Guinnessbuch der Rekorde. Ein Exemplar des gut drei Meter langen und 70 Kilogramm schweren Messers findet sich im Rheinischen Industriemuseum in Merscheid, ein weiteres wirbt im Klingenmuseum für Güde.

Wie die Zukunft der Manufaktur aussieht, die zu über 95 Prozent geschmiedete Messer herstellt, will sich Karl-Peter Born nach der Jubiläumsfeier überlegen. „Dann werde ich mich etwas intensiver damit befassen, was in zehn Jahren ist“, sagt der gelernte Maschinenbau-Ingenieur. Die fünfte Generation ist jedenfalls noch zu jung, um sich schon über eine Berufswahl Gedanken zu machen. flm