ARBEITGEBERVERBAND Im Kunstmuseum tagten parallel Mitgliedervon zwei Arbeitgeber-Verbänden.
Von Fred Lothar Melchior
Der López-Effekt kommt wieder, klagt Horst Gabriel, Vorsitzender des Arbeitgeberverbands Solingen (AGV): „Die Autoindustrie protzt mit Milliardengewinnen, während die Zulieferer um den letzten Cent erpresst werden.“ Manager José Ignacio López war während seiner Zeit bei General Motors und Volkswagen als Ausbeuter der Zulieferer gefürchtet.
Was Gabriel noch fürchtet: Unruhen wegen der Finanzkrise und steigende Energiepreise. Er kritisierte die „ohne Not so furchtbar beschleunigte Energiewende“. Es fehle ein Konzept; der „wohlgemeinte Versuch“ werde scheitern, wenn weiter sechs Berliner Ministerien parallel an der Wende arbeiteten.
„Brachen und Baulücken ersetzen keine neuen Gewerbeflächen“
Den anwesenden Politikern – zum öffentlichen Teil der Mitgliederversammlung werden immer Gäste eingeladen – legte er noch einmal mehr bergische Zusammenarbeit ans Herz. Gleichzeitig forderte Gabriel neue Gewerbeflächen: „Es reicht nicht, Brachen und Baulücken zu entwickeln.“
Zeitgleich tagte im Kunstmuseum der Arbeitgeber- und Wirtschaftsverband Großhandel-Außenhandel-Dienstleistung Bergisch Land. Vorsitzender Jan Peter Coblenz: „Zusammen vertreten wir zirka 11 000 Beschäftigte.“ Seine Einschätzung der Lage: „Wir glauben, dass die Konjunktur robust ist.“
Von „stabil“ sprach auch Gastredner Prof. Dr. Karl-Rudolf Korte. Der bekannte Wahlexperte (Universität Duisburg-Essen) meinte aber die anhaltende Zerrissenheit (Ambivalenz) der Politik. „Rettungsschirm für Volksparteien? Regieren und Wählen in der Aufregungsdemokratie“ hieß sein Vortrag, der durch die bevorstehende Landtagswahl ein ganz neues Gewicht bekam.
„Viele wählen, ohne zu wissen, was sie wählen“, sagte Korte – und am nächsten Morgen würden sie sich schon nicht mehr an ihre Wahl erinnern. Politiker und Bevölkerung seien miteinander unzufrieden; Vertrauen gehe verloren, Leistungsvermögen und Legitimität der Parteien werde angezweifelt. Die Bedeutung der Wechselwähler und der Nichtwähler wachse: „Immer weniger entscheiden über immer mehr.“
Mit der Piraten-Partei, die auf den „Dilettanten-Bonus“ zählen dürfe, sei „der Geist aus der Flasche“. Korte: „Die Piraten dokumentieren eine Haltung, kein Programm. Wenn man online lebt, hat man eine andere Interpretation von politischer Wirklichkeit.“
Die etablierten Parteien müssten wieder ihren Nutzen beweisen, müssten „Beteiligung und Teilhabe sichtbar machen“ („ein Recht auf Feedback“) und neu über die „Auswahl des Personals“ nachdenken. Es müsse auch wieder Zeit für Nachdenklichkeit und Pausen geben.
Bei der Mitgliederversammlung des Arbeitgeberverbands wurden Gabriele Kracht (Credo) und Frank Kronenberg (Eduard Kronenberg) wieder in den Vorstandsrat gewählt. Stellvertreter von Horst Gabriel (Ernst Ludwig Emde) sind weiter Johannes G. Berger (C. Grossmann), Dr. Tilmann Schultes (Lüttgens & Engels) sowie Klaus Wilbuer (MTV Metallveredlung). Schatzmeister bleibt Wolfgang Wüsthof (Dreizackwerk).