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27.12.2011 10:49
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Süßer Duft in den geheimen Haribo-Hallen

Von Carina Dahlem

Wenn der Solinger Martin Drache (47) erzählt, dass er stellvertretender Werksleiter bei Haribo an der Wuppertaler Straße ist, sind die Reaktionen oft ähnlich. „Bring mal was mit“ und „Wie produziert ihr denn?“ bekommt er zu hören, oder der Werbeslogan wird angestimmt. Die Goldbären haben eben Kultstatus. Der eine oder andere gibt dem dreifachen Familienvater auch gute Ratschläge mit auf den Weg, was das Unternehmen künftig produzieren könnte. „Das gibt es aber meistens schon“, sagt Martin Drache, der berufsbedingt naschen muss, wenn auch in Maßen. Seine Favoriten: Der Klassiker Goldbär und Bronchiol.

 

BRÜCKEN-GUMMIS

ABSAGE Bei der Einweihung des modernen Hochregallagers im Oktober hatte Oberbürgermeister Norbert Feith die Idee, dass Haribo ein Fruchtgummi in Form der Müngstener Brücke produzieren könnte, um das Projekt Weltkulturerbe zu unterstützen. Seniorchef Dr. Hans Riegel (88) habe der Stadt aber persönlich abgesagt, sagt der stellvertretende Werksleiter Martin Drache. Der Grund: Die filigrane Architektur der Müngstener Brücke sei nicht einwandfrei zu realisieren.

Im Solinger Werk, in dem rund 840 Menschen arbeiten, werden diverse Fruchtgummisorten hergestellt. Tageblatt-TV besuchte die Produktionsstätte – und drehte ein Video über die Goldbärenherstellung. Es gibt freundliche, aber klare Ansagen, was gefilmt werden darf: In der Süßwarenbranche wird man sauer, wenn Interna herauskommen, die Konkurrenten für sich nutzen könnten. Nicht umsonst hat der Bonner Seniorchef Dr. Hans Riegel (88) im Oktober an der Wuppertaler Straße verkündet, als das neue Hochregallager eingeweiht wurde: „Das Werk Solingen ist weltweit unser modernstes.“

Dabei fing alles so klein in einer Hinterhof-Waschküche in Kessenich an, damals Vorort von Bonn: 1920 ließ Hans Riegel – Vater des heutigen Seniorchefs – die Firma Haribo als Akronym für HAns RIegel BOnn ins Handelsregister eintragen. Das Startkapital bestand aus einem Sack Zucker, einer Marmorplatte, einem Hocker, einem gemauerten Herd, einem Kupferkessel und einer Walze. Heute wird weltweit exportiert. England ist größter Wachstumsmarkt, die Japaner lieben gezuckerte Pfirsischblüten, JogiBussi und Fruity-Bussy.

Im Sekundentakt werden
Tüten abgepackt

Wenn Otto Normalverbraucher die Goldbären nascht, ahnt er nicht, wie spannend die Produktion ist. In der Kocherei liegt ein süßer Duft in der Luft, in den Kesseln werden die Grundzutaten gemischt. Die sind kein Geheimnis, doch die Rezeptur ist „top secret“. In der „Mogulanlage“ werden eigens Gießformen hergestellt: Bärenstempel werden in Maismehl eingedrückt, in die die Rohmasse gegossen wird. Im Bereich Verpackung werden die Goldbären, die millionenfach in sechs Farben über die Laufbänder rattern, portioniert und im Sekundentakt verpackt. Das ist freilich nur ein kleiner Ausschnitt aus der Arbeit im Solinger Werk – im Video gibt’s mehr davon.

Es war 1968 und 1974, als Haribo die Anteile der Solinger Firma Dr. Hillers AG erwarb, bekannt für ihre Pfefferminzrollen. „Einige Mitarbeiter kennen die Familie Hillers noch“, erzählt Werksleiter Arndt Rüsges. Haribo habe das alteingesessene Unternehmen nie zerschlagen wollen, sondern es umgestaltet. „Noch heute gibt es Anlagen, auf denen früher Pfefferminzrollen verpackt wurden. Jetzt werden sie für unsere Fruchtgummis genutzt“, sagt Arndt Rüsges.

Martin Drache und er sind stolz, wie flexibel das Unternehmen ist. Zu der Zeit, als Eisbär Knut die Massen bewegte, wurde ein weißer Schaumbär auf den Markt gebracht – von der Idee bis zum fertigen Produkt vergingen nicht mal zwei Wochen.

Wie groß das Sortiment ist, zeigt sich auch im Gräfrather Werksverkauf. Seit kurzem zieren draußen drei große Goldbären mit roter Schleife eine Wand und zeigen auf den Eingang.

Mitte Dezember wurde die Komposition fertiggestellt. Beleuchtete Firmenschriftzüge kamen dazu.