SCHWARTE KG Trotz Billigkonkurrenz und Fachkräftemangel gibt der Chef nicht auf.
Von Christina Biermann
„Mein Großvater hat mit 92 noch am Schreibtisch gesessen und Rechnungen korrigiert“, erinnert sich Carl-Otto Schwarte. In dritter Generation führt er seit 1995 das Familienunternehmen. Jetzt feiert die Firma ihr 100-jähriges Bestehen.
Ob Sattler-, Vergolder- oder Tonputzmesser, Weber- oder Nagelschere - der Spezialist von der Tannenstraße fertigt vor allem für Industrie und Handwerk. Geliefert wird in die ganze Welt. Stolz ist Schwarte auf ein Werkzeug für die Fertigung von Hufmessern. „Bei uns steht das einzige Biegewerkzeug in Solingen“, betont der 59 Jahre alte Inhaber. Auch individuelle Anfragen werden von Hand gefertigt. „Besonders kniffelig war zum Beispiel eine Weberschere für Linkshänder“, erklärt Schwarte. „Da haben wir von Hand die Feder andersherum gebogen.“ Solche Aufträge machen ihm besonders Spaß - wegen der besonderen Herausforderung.
Die Arbeitsprozesse bei den Heimarbeitern gelernt
Wie bereits Vater und Großvater ist Schwarte gelernter Kaufmann. „Nach meiner Ausbildung habe ich je einen Monat bei sämtlichen Heimarbeitern verbracht, um die Arbeitsprozesse zu lernen.“ Zwei fest angestellte Mitarbeiter fertigen heute neben Schwarte in der Firma. Reiden, Schleifen, Abziehen, Ausmachen, Ölen, Verpacken gehören zum Leistungsspektrum. Daneben arbeitet Schwarte mit Lohnbetrieben.
Obwohl man sich mit der Spezialisierung des Betriebes gut positioniert habe, seien besonders die letzten Jahre schwer gewesen. „Wir fertigen viel für die Autoindustrie. Da macht sich die Wirtschaftskrise im Auftragsvolumen stark bemerkbar.“ Durch Insolvenzen oder Geschäftsaufgaben seien Teile der Stammkundschaft weggebrochen.
Ob die vierte Generation übernehmen wird, ist noch nicht sicher. „Ich rate meinem Sohn fast davon ab, obwohl er Interesse hat.“ Durch Importe aus Niedriglohnländern werde der Konkurrenzdruck immer größer. „Mit den Preisen können wir nicht mithalten.“ Außerdem fehlten Fachkräfte. „Die alten Schleifer oder Reider sterben aus. Lernen kann man diese Berufe nicht mehr“, beschreibt Schwarte besorgt die Zukunft seiner Branche.
Besonders wichtig sei der Zusammenhalt der Solinger Betriebe. Kooperationen waren Schwarte immer wichtig. So hält der Firmenchef eine fast 500 Gramm schwere Schneiderschere mit Messingnagel in Ehren, die noch in der Hendrichs-Schmiede gefertigt und bei Schwarte weiterverarbeitet wurde. „Mit dem alten Hendrichs habe ich mich oft verquatscht.“ Und trotz der schwierigen Zeiten denkt der Firmenchef positiv. „Ich bin kein Ruhestands-Typ. Wenn es geht, werde ich nicht mit 65 aufhören.“