TEILSPERRUNG Ab sofort darf kein Güterzug mehr fahren.
Auf der Müngstener Brücke dürfen bis auf weiteres nur noch Personenzüge mit einem Gesamtgewicht von maximal 100 Tonnen fahren. Die Deutsche Bahn AG ist Eigentümerin der Brücke und damit auch für die Sicherheit der mit 107 Metern höchsten Eisenbahnbrücke Deutschlands verantwortlich. „Diese Entscheidung ist von uns vorsorglich getroffen worden“, erklärte gestern Jürgen Kugelmann, Sprecher der DB AG, gegenüber dem ST. Konkrete Gründe für die Teilsperrung wollte er jedoch nicht nennen. „Es hat eine Begehung mit Ingenieuren des Eisenbahnbundesamtes, der Aufsichtsbehörde, gegeben“, bestätigte der Bahnsprecher allerdings. Ein offizieller Bescheid über Auflagen und Konsequenzen stehe aber noch aus. Kugelmann: „Es ist eine Vorsichtsmaßnahme.“
Das ST erfuhr jedoch aus sicherer Quelle: Das 112 Jahre alte Bauwerk muss eingehend überprüft werden, weil bei mehreren Begehungen „erhebliche Instandhaltungsmängel“ festgestellt worden sind. Voraussichtlich erst im Sommer 2010 soll nach den ST-Informationen genau feststehen, ob auch die je nach Ladung bis zu 1000 Tonnen schweren Güterzüge wieder die 465 Meter lange Stahlbrücke benutzen können.
Aufsichtsbehörde will Auflagen erst in ein paar Tagen nennen
Das Eisenbahnbundesamt bestätigte dem ST, dass es bislang „nur eine Vorabinformation“ der Aufsichtsbehörde an die DB AG gebe. Ein offizieller Bescheid zur Teilsperrung der Brücke mit den genauen Gründen und Konsequenzen sei noch in Arbeit, erklärte gestern Ralph Fischer, Sprecher des Bundesamtes in Bonn. Die Aufsichtsbehörde werde diesen Bescheid aber noch in dieser Woche der DB AG zustellen. Die kündigte für diesen Fall eine sofortige Pressekonferenz an.
Derzeit fahren im Schnitt täglich nur noch bis zu drei Güterzüge mit maximal fünf bis sechs Waggons über die Brücke zwischen Solingen und Remscheid. Diese Züge werden jetzt vorerst über Wuppertal umgeleitet.
Seit Jahrzehnten dauert schon die Diskussion um eine Vollsanierung der Brücke. Die sollte laut DB-Aussage noch aus dem Jahre 2007 einen Euro-Betrag in zweistelliger Millionenhöhe kosten. „Unrentabel“ ließ die Bahn AG damals durchblicken. Eine dringliche Gesamtsanierung des Bauwerks war laut DB zudem nicht erforderlich: Weder die Standfestigkeit noch die Tragfähigkeit der Brücke seien gefährdet, hieß es vor zwei Jahren auf ST-Anfrage. hpm» Guten Morgen