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20.09.2011 10:57
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Hunde-Führerin im Rollstuhl ist Weltmeisterin

Mit Geschwindigkeit und Geschick überspringt Hündin Josy die Hürden, rennt durch Tunnel und angelt sich durch den Slalom – geführt von ihrer Hundeführerin Beate Wichmann. Sie betreiben „Para-Agility“ und haben das erreicht, wovon jeder Hundesportler träumt: Sie sind Weltmeister geworden.

„Beim Agility muss der Hund schnellstmöglich eine Hindernisstrecke überwinden – natürlich ohne Fehler zu machen“, erläutert Beate Wichmann. Sie als Hundeführerin muss ihm den richtigen Weg zeigen, ihn durch Körpersprache und Kommandos leiten. „Es gibt immer eine vorgegebene Reihenfolge, in der die Hürden bewältigt werden müssen.“ Para-Agility sei das Gleiche – nur für Menschen mit körperlicher Behinderung.

Das ist auch das, was die beiden von anderen Teams unterscheidet. „Ich habe seit 1977 eine inkomplette Querschnittslähmung und muss im Rollstuhl sitzen“, erzählt Wichmann. Trotzdem sei der Hundesport für sie möglich. „Für die Halle habe ich einen Sportrollstuhl, für den Rasen einen elektrischen Rollstuhl. Und ich zeige Josy die Richtung nach dem Stand des Rollstuhls.“

„Ich habe einen erwachsenen Sohn und brauchte ein neues Hobby. Also habe ich vor knapp zwei Jahren angefangen, Josy Agility beizubringen“, sagt die gebürtige Polin. Seit Ende April dieses Jahres nehmen die beiden an Turnieren teil. Anfang September waren sie bei den Weltmeisterschaften für Menschen mit Behinderungen in Nimwegen (Niederlande). „Es war toll. Insgesamt sind 13 Länder gestartet“, erzählt die Solingerin. Nach dem Behinderungsgrad der Hundeführer und der Größe des Hundes wurden die Gruppen aufgeteilt. „Manche Teilnehmer hatten eine Oberkörper-Behinderung, andere waren blind, und wieder andere mussten mit Hilfe von Krücken starten“, sagt Wichmann. Sie startete neben vier anderen in der Klasse der Rollstuhlfahrer mit Handantrieb. „Josy musste in drei Versuchen 18 Hürden überwinden. Und am Ende hat es für uns gereicht“, erzählt sie freudig.

„Klingenflitzer“ feiern 2012
den 60. Geburtstag

Auch nach der erfolgreichen WM trainieren Beate Wichmann und die zweieinhalbjährige Josy kräftig weiter. Auf dem Höhscheider Hundesportplatz sind sie zweimal wöchentlich zu sehen. Wichmann ist dort die Einzige mit Behinderung, erhält aber von allen Hilfe. „Die Klingenflitzer, wie wir uns nennen, haben mich damals herzlich aufgenommen und unterstützen mich bis heute“, erzählt sie. 2012 feiert der Verein, der etwa 60 Mitglieder zählt, seinen 60. Geburtstag. bepa