GASTBEITRAG Star-Architekt nennt die Eile der Politik „unverantwortlich“. Im jetzigenZuschnitt zerstöre das Center den Stadtteil.
Nachdem die Bezirksvertretung Ohligs den Plänen für das Einkaufszentrum auf dem ehemaligen Olbo-Areal zugestimmt hat, meldet sich noch einmal Walter Brune zu Wort. Der Düsseldorfer Star-Architekt warnte gestern eindringlich davor, das Center im jetzigen Zuschnitt zu bauen:
„Das geplante Shopping-Center hat durch seine Lage eine große Auswirkung auf die Innenstadt von Ohligs, insbesondere auf die Haupteinkaufsstraße, die sich vom Shopping-Center Bereich bis zum Bahnhof erstreckt. Da beide Einkaufszonen aber nicht verbunden sein werden, wird die stärkere Lage gewinnen und die schwächere Lage veröden. Und da das Shopping-Center das größere Parkplatzangebot besitzen wird, und zwar noch auf der abgekehrten Seite der Verkaufsflächen, bleibt der gewachsenen Einkaufsstraße keine Chance.
Nach meiner nunmehr 60-jährigen Erfahrung (...) stelle ich die Prognose, dass sämtliche Ladenlokale in zwei Jahren geschlossen werden. Dieser Effekt wird auch noch dadurch verstärkt, dass das neue Shopping-Center bereits Mietverträge mit namhaften Kundenmagneten und Trendsettern abgeschlossen hat. Das Shopping-Center wird mit 9 000 m² Verkaufsfläche entstehen, und aufgrund der Größe und des starken Mieterbesatzes haben die Geschäftslokale in der historisch gewachsenen Einkaufsstraße keine Überlebenschance mehr (...)
Unter keinen Umständen darf das Argument gelten, wenn das Shopping-Center jetzt nicht so wie geplant gebaut wird, springen die Mieter ab und eine Zeitverzögerung stellt alles in Frage. Dieses untaugliche Argument hat überhaupt kein Gewicht gegenüber der Frage: Zerstört man die Ohligser Innenstadt oder nicht? (...) Kaufleute, die heute an einer Anmietung interessiert sind, werden das auch noch in einem oder zwei Jahren sein (...)
Die Politiker sind die Entscheidungsträger, die meiner Ansicht nach die Verantwortung dafür tragen, das Beste für die Stadt und deren Bürger zu tun und nicht das Beste für den Investor, der sich durch einen schnellen Baubeginn einen schnelleren Gewinn erhofft. Dem Zeitverzug-Argument daher den Vorrang vor einer optimalen, Innenstadt verträglichen Lösung zu geben, ist unverantwortlich. Ein isoliertes Shopping-Center ist ein Killer-Center für den gewachsenen Einzelhandel in Ohligs. Aber es ist kein großer Aufwand nötig, diese verheerende Entwicklung ins Positive umzukehren.“