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09.08.2012 09:54
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Walder Brände: „Täter spürt große Befriedigung“

Von Björn Boch

Seit einigen Wochen hat Wald vermutlich mit einer Serie von Brandstiftungen zu tun. Doch was geht in einem Menschen vor, der vorsätzlich Brände an Papiercontainern oder in Wohnhäusern legt? Welche Eigenschaften hat ein typischer Brandstifter? Und was ist die Motivation für seine Taten? „Es ist meistens dasselbe Grundmuster: Brandstifter sind junge Männer, die in ihrem Leben eine gewisse Ohnmacht verkraften müssen“, sagt Prof. Dr. Christian Pfeiffer, Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen.

Brandstifter haben meist
den Durchbruch nicht geschafft

Die Psychologie spricht bei dieser Art Tat von einer sogenannten kalkulierten Minderleistung. Täter versuchen, mit möglichst wenig Aufwand viel Aufmerksamkeit zu erreichen. Untersuchungen belegen, dass die meisten Täter nicht älter als 25 Jahre alt sind und in der Regel einen niedrigen Bildungsabschluss haben.

Brandstifter hätten in ihrem Leben meist den Durchbruch nicht geschafft, es fehle ihnen an Erfolgen, sagt Pfeiffer. „Anzünden ist Macht. Feuerwehr und Polizei müssen reagieren, der Täter lässt die Puppen tanzen, sieht also sofort die Auswirkungen und spürt eine große Befriedigung.“

Nach diesem Machtgefühl könne man schnell süchtig werden, weshalb sich bei Brandstiftern oftmals die Intensität steigere. Dass die Serie in Wald mit Papiercontainern begann und jetzt Wohnhäuser getroffen hat, sei also nicht ungewöhnlich, sagt Pfeiffer. Dies führe aber oft auch dazu, dass die Täter mehr Risiken eingehen müssen und gefasst werden.

Pfeiffer hat anhand des Tatmusters noch eine weitere Theorie: „Die leicht zugänglichen Container könnten ein Hinweis sein, dass es sich um mehrere Jugendliche handelt, die sich gegenseitig anstacheln.“ Man beweise sich etwas, und weil man nicht erwischt werde, seien nach Containern bald Wohnhäuser das Ziel.

Eine große Ausnahme vom bekannten Muster seien Brände, die durch Feuerwehrleute selbst gelegt werden. „Wer bei der Feuerwehr arbeitet, muss viel abwarten. Profis kommen damit klar. Aber es gibt einige, die möchten unbedingt gebraucht werden“, sagt Pfeiffer. Feuerwehrleute seien unter den Tätern wohlgemerkt in der Minderheit, aber gemessen an der Seltenheit von Brandstiftungen doch überproportional oft vertreten. Der Deutsche Feuerwehrverband verweist auf Schätzungen, die besagen, dass einer von 3000 Bränden, die vorsätzlich gelegt wurden, auf Mitglieder einer Feuerwehr zurückzuführen ist, wobei es sich meist um Helfer bei den Freiwilligen Wehren handele.

Oft redeten sich Brandstifter damit raus, dass keiner zu Schaden gekommen sei und die Versicherung alles bezahle, sagt Christian Pfeiffer. „Dieses leichtfertige Geschwätz darf man so nicht stehenlassen. Die emotionale Belastung der Opfer ist sehr hoch. Und längst nicht alle Versicherungen zahlen so gut, dass die Opfer ohne wirtschaftlichen Schaden aus der Sache rauskommen.“