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18.09.2009 12:12
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Vortrag über Nahen Osten: „Wir verlieren unsere Seele“

„Ich verurteile“, ruft die kleine alte Frau ins Mikrofon, „ich verurteile die Raketen der Palästinenser. Aber sie sind die Reaktion auf eine schreckliche Besatzung.“

Felicia Langer, Sprecherin der Palästina Friedensstiftung Rachel Corrie, ist Gast im VHS Forum an der Mummstraße. Sie hält eine leidenschaftliche Stellungnahme gegen Menschenrechtsverletzungen des Staates Israel gegen das Volk der Palästinenser.

„11000 Menschen in Gefängnissen, 1000 von ihnen kamen dorthin ohne Verfahren. Eine 700 Kilometer lange Mauer, über acht Meter hoch. 600 Sperren, an denen immer wieder Unschuldige ihr Leben verlieren und 24000 zerstörte Häuser“, dies sei ein Teil der Bilanz der letzten 42 Jahre.

Felicia Langer, geboren 1930, entkam der nationalsozialistischen Verfolgung und siedelte 1950 mit ihrem Mann nach Israel aus. „Was ich dort gesehen habe, hat mich geprägt“, sagt sie heute. „Ich habe die Spuren von Folterungen gesehen, Vertreibung, gezielte Tötungen, Kolonialisierung.“

1967 – „Das war die Wende meines Lebens.“ – beginnt sie als Rechtsanwältin, Palästinenser zu verteidigen: Verfahren gegen Enteignung, Diskriminierung und Verfolgung. Vergeblich. Aus Protest gegen die israelische Justiz schließt sie schließlich ihre Praxis und siedelt nach Deutschland über. Hier hat sie bis jetzt mehrere Bücher zur Lage der Palästinenser veröffentlicht. „Um Hoffnung kämpfen“ heißt der jüngste Titel zur Lage in Gaza.

„Ohne Gerechtigkeit gibt es keinen Frieden“, ist sie überzeugt. „Mit dieser Politik verlieren wir unsere Seele.“ Vehement wendet sie sich gegen Bedenken vieler Deutscher, Israel zu kritisieren. „Deutsche sind geradezu dazu verpflichtet, bei Menschenrechtsverletzungen nicht zu schweigen.“ Und an die Adresse des eigenen Landes: „Wir dürfen die Toten des Holocausts nicht dazu benutzen, andere zum Schweigen zu bringen.“

Für ihr unermüdliches Engagement wurde die große alte Dame 1990 mit dem Alternativen Nobelpreis, der Ehrenbürgerschaft der Stadt Nazareth sowie zahlreichen weiteren Auszeichnungen bedacht. Im Juli dieses Jahres verlieh ihr Bundespräsident Hans Köhler das Bundesverdienstkreuz erster Klasse. sf