FUSSBALL Vuvuzelas dröhnen am Ginsterweg. Familie Griewatz brachte sie aus Südafrika mit.
Von Uli Preuss
Feiernde Menschen, aber auch Blechhütten und Jugendbanden! Für Udo Griewatz und seine Familie hielt die Reise zur WM nach Südafrika ein riesiges Wechselbad bereit. Freund Simon, der mit dem Broker (Makler) Griewatz lange Jahre in derselben Firma arbeitete, hatte die Solinger ins große Haus nach Johannesburg eingeladen.
„Simon erinnert sich gut an seinen Besuch in Solingen“, sagt Udo Griewatz. Damals radelten die Solinger mit ihren südafrikanischen Freunden von Burg entlang der Wupper nach Opladen. Für die Südafrikaner ein Erlebnis. Radfahren ist in Johannesburg unüblich und in manchen Gegenden aus Sicherheitsgründen undenkbar.
Einwanderer aus Nigeria und Zimbabwe leben in Soweto
Am Wochenende besuchten die Solinger Soweto. Fasziniert beschreibt Udo Griewatz das Leben im Südwesten Johannesburgs. Lachende Kinder seien genauso zu finden wie ärmste Menschen, die in Blechhütten leben. Die Kap-Region ist begehrt. Viele der Einwanderer in den Townships kommen aus Problemländern wie Nigeria, Zimbabwe oder Mosambik.
Sorgen machen den „Joburgern“ die Jugendbanden. Drogen, Gewalt und die Verbreitung von Aids seien große Probleme dort. Dabei entwickelt sich in der ehemals eigenständigen Stadt, die seit 2002 zu Johannesburg gehört, eine eigene Mittelschicht. „Es gibt viele Menschen, die gerne dort wohnen möchten“, sagt Griewatz.
Die Solinger erlebten neben der Fußballbegeisterung im Land aber auch den Gedenktag anlässlich des Soweto-Massakers vom 16. Juni 1976.
„Die Menschen hier nehmen diesen Tag sehr ernst“, weiß Udo Griewatz. Kein Feiertag „for fun“ sei das, sondern man erinnere sich an die Zeit der Apartheit und den Tod von 575 Menschen vor 34 Jahren.
Udo Griewatz kennt sich aus in „Joburg“, wie die Menschen dort ihre Heimatstadt abkürzen. Die „Regent Insurance Brokers GmbH“ für die der Solinger in Duisburg arbeitet, ist eine Tochterfirma der „Imperial International“ mit Hauptsitz in Südafrika. Sohn Maximilian geht in die 6a der Gesamtschule Solingen. In Afrika spielte er begeistert mit Simons Kindern Ashton (4) und Charlton (14). „Kinder kennen keine Hautfarbe“ , freuten sich beide Väter.
Aber: Die Griewatz’ waren wegen des Fußballs nach Johannesburg gereist. Dort erlebten sie hautnah die tolle Atmosphäre beim Spiel Deutschland - Ghana. Natürlich fieberte Freund Simon mit den deutschen Gästen. Aber insgeheim, so gab der Afrikaner zu, schlägt sein Herz auch für Ghana. Und Simon trägt trotz des Ausscheidens seiner Mannschaft sein geliebtes Bafana-Bafana-Shirt immer noch.
Mit Trikots, Fahnen und Vuvuzelas ausgerüstet, haben die Griewatz’ übrigens nicht auf die warmen Deutschland-Mützen verzichtet. „Nachts ist es ganz schön kalt am Kap“, weiß Udo Griewatz. Wen wundert’s: Auf der Südhalbkugel ist Winter.
Am Sonntag flog die Familie wieder nach Hause. Ein Wermutstropfen: Den Torsegen gegen England erlebten die Solinger nur in der Flughafenlobby.
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