BILDUNGSPOLITIK Auch an einer möglichen Gemeinschaftsschule scheiden sich die politischen Geister.
Wer bei der anstehenden Landtagswahl punkten will, der setzt auf Bildungs- und Schulpolitik. Denn auf Landesebene werden letztendlich alle wichtigen Entscheidungen in Sachen Schule getroffen.
In Solingen wird deshalb das Dauerbrenner-Thema der vierten Gesamtschule wieder heiß diskutiert. Schon im letzten Schulausschuss erwirkten SPD, Grüne, BfS und Linkspartei, dass die Verwaltung prüfen soll, ob durch die geplante Schließung von Schulgebäuden Platz für eine vierte Gesamtschule entstehen könnte. Noch weiter geht der politische Wille von SPD und Grünen, langfristig Kinder bis Klasse zehn gemeinsam zu unterrichten. Das ST sprach mit den Solinger Kandidaten für die anstehende Landtagswahl über die Schul- und Bildungspolitik.
„Das gemeinsame Lernen bis zum Ende der Pflichtschulzeit ist unser Ziel, aber das ist in NRW vermintes Gelände“, weiß Sylvia Löhrmann, Landtagskandidatin und Fraktionschefin der NRW-Grünen. Deshalb wollen die Grünen einen pragmatischen Weg gehen. „Wir werden den Schulträgern die Möglichkeit geben, Bildungsgänge vor Ort zusammenzulegen, um weiteres Schulsterben zu verhindern“, so Löhrmann.
Das Konzept der Grünen sieht vor, Schulen der Sekundarstufe I zu verbinden. Die Handlungsmöglichkeiten der Kommunen für innovative Schulentwicklung sollen erweitert werden. „Es kommt uns nicht auf die Schulform an, sondern auf gute Schulen“, so Löhrmann. Auf dem langen Weg hin zum gemeinsamen Unterricht bis Klasse zehn sei die Zusammenlegung von Schulen eine gute Möglichkeit; ein weiterer guter Weg sei eine vierte Gesamtschule. Die Grünen planen, Schulen, die sich für eine Zusammenarbeit entscheiden, vom Land finanziell zu unterstützen. „Das Kollegium muss qualifiziert sein, keine Klasse soll mehr als 25 Kinder haben.“
Die Ideen der SPD gehen in eine ähnliche Richtung. „Unser Landesthema ist die Gemeinschaftsschule, wir hoffen, dafür nach der Wahl Partner auf Landesebene zu finden“, sagt Iris Preuß-Buchholz, SPD-Landtagsabgeordnete und -kandidatin. Im Land möchte sie längeres gemeinsames Lernen erreichen.
Vor Ort sieht sie eine vierte Gesamtschule als einzigen Weg, dem Elternwillen gerecht zu werden. „Seit Jahren gibt es kein Geld, eine weitere Gesamtschule neu zu bauen, deshalb wollen wir prüfen, ob andere Gebäude-Kapazitäten genutzt werden können.“
Landesweit sei die Gemeinschaftsschule der beste Weg, um einen höchstmöglichen Abschluss für jeden Schüler zu ermöglichen. „Gerade in der vierten Klasse haben viele Kinder noch einen Entwicklungsschub. Erstrebenswert wäre das gemeinsame Lernen mindestens bis Klasse sechs.“ Bei der Schulpolitik seien die Eltern und Lehrer viel weiter als manche Politiker.
Kinder müssen vielfältig gefördert werden
Kinder vielfältig zu fördern, diese Möglichkeit sieht Arne Moritz, Landtags-Kandidat für die CDU, am besten in der bestehenden Schulen-Vielfalt gegeben. „Wir stehen zum begabungsgerechten Schulsystem. Alle vier Schulformen sind in Solingen vertreten und werden gleichberechtigt gefördert.“ Auch die Gesamtschulen seien anerkannter Bestandteil des Solinger Schulsystems.
Die Errichtung einer vierten Gesamtschule bleibe aber, auch vor dem Hintergrund zurückgehender Schülerzahlen, der Ausweitung des Ganztagsangebotes auch an anderen Schulen und der finanziellen Situation der Stadt, umstritten. „Ein entsprechendes Bürgerbegehren ist vor mehreren Jahren von den Initiatoren aus guten Gründen nicht weiterverfolgt worden“, so Arne Moritz.
Die CDU-Ziele sieht er im Weiterausbau des Ganztags-Angebotes, kleineren Klassen, Weiterentwicklung des begabungsgerechten Schulsystems und praxisnäherer Lehrerausbildung.
Auch die FDP möchte die Vielfalt der bestehenden Schulformen erhalten. „Wir haben nichts gegen Gesamtschulen, die machen im bestehenden System eine gute Arbeit, aber wir sind gegen das Einheitsschul-System von SPD und Grünen“, so die FDP-Landtagskandidatin Gabriele Reimers.
„Durch die erweiterten Ganztags-Angebote haben wir in der Vergangenheit versucht, die Hauptschulen zu stärken. Auch Gymnasien und Realschulen waren bislang ohne Ganztag benachteiligt.“
Wenn im dreigliedrigen System auch nach und nach der Ganztag angeboten und die Durchlässigkeit der Systeme weiter vorangebracht werde (Netz-Leiter-Modell) seien Schüler in dieser Hinsicht dort ebenso gut aufgehoben wie in der Gesamtschule. sith