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14.07.2009 11:43
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Urnen: Bestattet in Wänden und Wäldern

Auf den beiden großen städtischen Friedhöfen in Ohligs und Gräfrath wird ab sofort eine neue Form der Bestattung angeboten: die Beisetzung von Urnen in Stellwänden, so genannten Kolumbarien. Am Montag stellten Andreas Wippermann, Erika Skowasch und Andreas Brühne vom Technischen Betrieb Straßen und Grün (TBSG) die Kolumbarien auf dem Gräfrather Parkfriedhof vor. Der TBSG ist zuständig für die kommunalen Friedhöfe.

PREISBEISPIELE

Kosten

 Sie variieren nach Friedhöfen und Nutzung.

KONFESSIONELL Katholischer Friedhof Hackhauser Straße: Pflegefreies Wahlgrab für 25 Jahre 580 Euro; normales Grab 845 Euro; pflegefreie Urne 190 Euro.

STADT Baum im Begräbniswald inklusive 20-jähriger Pflege ab 550 Euro; normales Sarggrab am Nebenweg: 1100 Euro für 30 Jahre.

In Gräfrath stehen zwei Stellwände unweit der Kapelle. Sie sind mit je zwölf Kammern ausgestattet. In einer von ihnen ist bereits eine Urne beigesetzt. Auf dem Friedhof Hermann-Löns-Weg in Ohligs seien in dieser Woche zwei Kolumbarien-Bestattungen geplant, ergänzt Brühne. Dort steht eine Stellwand mit zwölf Kammern.

Angehörige von auswärts wünschen sich pflegefreie Gräber

In jede Nische passen laut Skowasch zwei Urnen. Auf der Verschlussplatte können die Namen der Toten eingraviert werden. „Wir bieten die Kolumbarien aufgrund der großen Nachfrage an.“ Für viele Angehörige sei die Art der Bestattung „eine Frage des Preises“, erklärt Wippermann. Eine Kammer für 30 Jahre zu mieten, kostet 990 Euro. Zum Vergleich: Wer ein normales Grab wählt und die Pflege an einen Friedhofsgärtner abgibt, muss für eine Nutzungsdauer ab 20 Jahren einen vierstelligen Betrag investieren.

„Viele Kinder von Verstorbenen wohnen gar nicht mehr in Solingen“, sagt Skowasch. Daher seien Kolumbarien, die nicht gepflegt werden müssen, für sie ideal.

Da der Trend zu immer pflegeleichteren Bestattungsformen geht, bietet der TBSG seit längerer Zeit Rasengräber an, die laut Brühne sehr stark nachgefragt werden. Hier kann man sich mit oder ohne Gedenktafel bestatten lassen. Am Hermann-Löns-Weg gibt es außerdem einen Begräbniswald, wo Urnen im Wurzelbereich eines Baumes begraben werden.

Angehörige können das Nutzungsrecht für einen Baum mit vier Urnengrabstätten erwerben. Sie können aber auch nur eine der vier Grabstätten mieten. Brühne: „Der Begräbniswald wird sehr gut angenommen.“ Auch die Baumgräber können durch einen kleinen Stein und eine Stele gekennzeichnet oder anonym gestaltet werden.

Anonyme Grabstätten gibt es auf konfessionellen Friedhöfen nicht, erklären Karlheinz Wingelewski, Leiter des evangelischen Gemeindeamtes Alt-Solingen, und Walter Hocke, der den katholischen Friedhof Hackhausen verwaltet. Wenn der Tote einen Namen hat, behält er auch einen Wert, begründen die Verwalter. In der Bibel stehe schließlich: Gott habe die Menschen bei ihrem Namen zu sich gerufen, erklärt Wingelewski.

Auch die konfessionellen Friedhöfe bieten viele pflegefreie Grabstätten an. Der Trend macht den Verwaltern aber Sorgen: Denn die kirchlichen Friedhöfe finanzieren sich nur über die Gebühren für Bestattungen und Nutzungsrechte. Diese Einnahmen sinken aber, weil immer günstiger bestattet wird. Laut Hock könnte dies langfristig zu Personalabbau führen. Gleiches gelte auch für die städtischen Friedhöfe, sagt Alexander Brühne. Problem: Konfessionelle wie städtische Friedhöfe haben jetzt schon zu wenig Personal für die Pflege. fma