GROSSBRAND Taubensportler (78) kam in Klinik: „Lebenswerk zerstört.“
Gestern Nachmittag an der Buchenstraße in Merscheid: Eine kräftige, bläulich schimmernde Brieftaube sitzt auf dem Dach des Nachbarhauses und dreht pausenlos das Köpfchen in alle Richtungen. Drei weitere Brieftauben sitzen in den hohen Tannen eines Nachbargrundstücks. Das Quartett gehört zu den ehemals rund 135 Brieftauben des Merscheiders Karl-Heinz Wolf (78): Aber nur die vier Federtiere überlebten, als am Montagnachmittag der im Lochbachtal gelegenen Taubenschlag abbrannte.
„Ein Lebenswerk ist zerstört“, sagt ein anderer Taubensportler (72), der sich persönlich ein Bild vom Ausmaß der „Katastrophe“ machte. Katastrophe deshalb, weil das Feuer nicht nur einen Gebäude- und Inventarschaden von inzwischen geschätzten 50 000 Euro verursachte, sondern auch den kompletten Bestand an Zucht- und Wettkampftauben Wolfs vernichtete. Der 78-Jährige, der den Taubensport mit 14 Jahren begann, ist langjähriger Vorsitzender des Taubenvereins „Eilbote Solingen“. Sein Haus ist voll von Pokalen und Urkunden. 1991 gewann er für Deutschland die Goldmedaille bei der Tauben-Olympiade in Polen. Auch dieser Siegervogel, inzwischen 22 Jahre alt, ist verbrannt. Noch im vergangenen Jahr haben Wolfs Tauben zwei Jahressiege und einen Bundessieg davongetragen. „Und erst vor kurzem habe ich viel Geld in die Hand genommen und habe eine Reihe Top-Zuchttauben aus Belgien und dem Ruhrgebiet hinzugekauft“, sagt er kopfschüttelnd.
Der 78-Jährige wurde gestern am frühen Abend aus dem Krankenhaus entlassen. Er hatte bei seinen erfolglosen Löschversuchen einen Kreislaufkollaps, eine leichte Rauchvergiftung und Verbrennungen an der Hand davongetragen.
Am Montag gegen 10 Uhr hatte Wolf ein drei Zentimeter großes Loch in der Fassade des Taubenschlags repariert, dabei Selbstklebepappe mit einem Lötbrenner erhitzt. Erst fünf Stunden später brach das Feuer aus. Auch ein Gartenhaus des Nachbarn, zehn hohe Fichten, eine Eiche sowie ein Wiesengelände wurden Raub der Flammen. hpm