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26.04.2012 09:35
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Traumberuf: Solinger wird Verkehrspilot

Von Uli Preuss

Es ist 13.30 Uhr, Schäfchenwolken hängen am blauen Himmel über Düsseldorf und Flug Lufthansa LH 3136 will raus. Pünktlich soll die Boeing 737 in Zürich landen. Hinten am Heck heult die APU (Hilfstriebwerk) auf, die Startvorbereitungen am Gate A 80 haben eben begonnen, Co-Pilot Frederik Janinhoff hat dennoch ein freundliches Wort für Flugschüler Yannic Müller übrig. Beide sehen sich zum ersten Mal.

Es ist dieses Leuchten in den Augen, das Yannic Müller mindestens so sehr zum Piloten qualifiziert wie seine körperliche Fitness und das Abi-Zeugnis. Denn seine guten Noten in Englisch und den Leistungskursen Mathematik und Physik am Humboldtgymnasium waren Voraussetzung bei den Aufnahmetests für die Verkehrsfliegerschule der Lufthansa in Bremen. Aber nicht nur trockene Theorie ist Trumpf. LH-Sprecher Florian Grenzdörffer weiß mehr: „Emotionale Stabilität, Handlungs- und Sozialkompetenz sind wichtig, wir suchen teamfähige Bewerber mit Führungspotenzial.“ Über 6000 Flugbegeisterte bewerben sich jährlich bei der Lufthansa zum Nachwuchsflugzeugführer, kaum 240 davon werden genommen.

Airbus 320 oder bewährte Boeing 737 – eine Glaubensfrage unter Piloten

Die Ausbildung, die dem Solinger Müller zum Teil noch bevorsteht, hat der Oldenburger Janinhoff vor vier Jahren beendet. „Mit etwas Glück fliege ich bald auf der Langstrecke“, freut sich der 28-Jährige. Der ganz große Traum vom Fliegen steht seinem 22-jährigen Solinger Kollegen noch bevor: Langstrecken-Flüge rund um den Globus auf modernen Flugzeugen wie dem Airbus A 340, dem neuen Boeing-Jumbo oder gar dem Lufthansa-Flaggschiff, dem Airbus A 380. Yannic Müller wagt gerade kaum zu atmen.

Mit dem Solinger sind wir auf dem Flugfeld am Düsseldorfer Airport verabredet. Zufrieden sitzt Müller für ein Foto auf dem rechten Sitz im engen Cockpit. Hier könnte er in einem Jahr als Erster Offizier auch sitzen. „Oh ja“, ist sich der ehemalige Humboldtschüler sicher, „für die 737 würde ich mich gerne entscheiden – das ist noch Fliegen pur.“

Eine Glaubensfrage unter Verkehrsfliegern. Während die einen lieber den solide verarbeiteten, moderneren Airbus per Joystick steuern, lieben die anderen die bewährte, 40 Jahre alte Boeing 737. Yannic Müller hat zwei Drittel des Flugtrainings bereits hinter sich, kommt frisch aus Arizona. Dort wurde er im Örtchen Goodyear, 30 Autominuten von Phoenix entfernt, auf kleineren Propellerflugzeugen wie der Beechcraft Bonanza geschult. In Goodyear leben die Flugschüler in Studentenbuden und fliegen in Dreier-Teams zusammen mit einem Fluglehrer. Jeder Schüler schafft in vier Monaten Praxis mehr als 17 Flüge à 90 Minuten.

„Wer hier bestehen will, muss das wirklich wollen.“

Yannic Müller

Wenn der 22-jährige Abiturient von seinem Weg zum Lufthansa-Piloten schwärmt, beginnt er weit zurück in der eigenen Kindheit. Der Sohn eines Malermeisters wollte nie etwas anderes werden. Erst kamen die Modellflugzeuge, dann „flog“ der Humboldtschüler im ersten PC-Flugsimulator durchs Kinderzimmer. Segelfliegen lernte Yannic mit 15 Jahren bei der Luftsportgruppe Erbslöh in Wiescheid.

Vom Segelflugzeug hat Müller es bereits in die motorisierte Klasse geschafft. „In der Beechcraft, einem viersitzigen Tiefdecker, habe ich meinen ersten Alleinflug gemacht“, erinnert sich Yannic Müller und denkt dabei respektvoll an die alte Fliegertradition, wonach alle Lehrgangsteilnehmer dem frisch gebackenen Piloten einmal kräftig auf den Allerwertesten schlagen dürfen. Immerhin: Yannics Lehrgang besteht aus 24 Teilnehmern, zwei davon sind weiblich, die Frauenquote unter Lufthansapiloten beträgt derzeit fünf Prozent.

Alle Teilnehmer sind wieder in Deutschland und werden zum Jahresende das zweite Flugtraining in Bremen beginnen. „Dann fliegen wir auf kleineren Jets wie der schlanken Cessna Citation“ , erklärt Müller. Im Segelfliegerclub, dem er immer noch angehört, „kloppt“ er seitdem Flugstunden, will in Übung bleiben, bis es im Dezember an die Verkehrsfliegerschule geht. Bei der Luftsportgruppe ist er nicht der einzige Berufspilot. Weitere Verkehrspiloten machen dort ebenfalls ihren Beruf zum Hobby.

2013 wird Yannic Müller zum Type Rating nach Frankfurt fliegen. Dann wird sich entscheiden, auf welchem Eingangs-Flugzeugtyp er geschult wird. Bis dahin rät er anderen Interessenten: Büffeln, was das Zeug hält. Denn die theoretische Ausbildung, gespickt mit Flugphysik und Flugzeugtechnik, sei knallhart. Müller erinnert sich an gut 20 000 Fragen, die er für die Prüfungen vor Lufthansa und Luftfahrtbundesamt pauken musste. Yannic Müller: „Wer hier bestehen will, muss das wirklich wollen, ein bisschen mögen reicht einfach nicht.“