Snippets
Snippets
02.08.2011 09:59
Drucken Vorlesen Senden
Solinger Muslime: „Guter Dialog wird gestört“

Der erste Tag der heiligen Fastenzeit Ramadan wurde gestern in Solinger Moschee-Gemeinden überschattet durch die Nachricht, dass die beiden zum Islam konvertierten Deutschen, die bereits Mitte Juli von den Briten festgenommen wurden, aus Solingen stammen. „Wir bemühen uns um einen offenen Dialog und um Integration, und dann kommen Nachrichten, die die Ängste und Vorurteile wieder wecken“, sagt Eray Ünver. Er ist verantwortlich für den interreligiösen und interkulturellen Dialog und ist Integrationsbeauftragter der Ditib-Gemeinde an der Kasernenstraße. „Wir wollen nichts damit zu tun haben.“

Auch Mohammed Zorba, Kemal Bascho und Abdel Maouloud vom Islamischen Zentrum an der Florastraße distanzieren sich von radikalen Predigern wie dem Salafisten Pierre Vogel. „Vor ein paar Jahren hat er auch bei uns in Solingen gesprochen“, erinnert sich Mohammed Zorba. „Mitglieder des christlich-islamischen Gesprächskreis waren damals auch anwesend.“ Anschließend habe es einen Eklat gegeben. „Denn das, was er gepredigt hat, hat uns entsetzt“, betont Mohammed Zorba.

Abdu Nagie, ein Prediger der „Wahren Religion“ in Solingen

Unbekannt ist ihnen dagegen Abdu Nagie, ein Vertreter der „Wahren Religion“, die den Salafisten zugehört. Auch er ist in Solingen aktiv. Noch im Februar dieses Jahres war er zu Gast im Deutsch-Islamischen Zentrum an der Konrad-Adenauer-Straße, wo die beiden in Großbritannien Festgenommenen wohl zuletzt verkehrten.

Der 28-Jährige unter den beiden Festgenommenen soll dort sogar gemeldet gewesen sein und dort auch übernachtet haben. Ihn kennen die Mitglieder des Islamischen Zentrums unter dem Namen Abdul M. Er habe schon vor über zehn Jahren Interesse am Islam gezeigt und sei in die alte Moschee am Bahnhof gekommen. „Vor über einem Jahr haben wir ihm Hausverbot erteilt“, sagt Kemal Bascho. Die Polizei habe Hinweise gegeben. Die englische Zeitschrift „The Sun“ berichtet, dass die zwei Festgenommenen sogar Materialien von Al-Qaida im Gepäck hatten.

Die Nachrichten sind für Dr. Bert Moll verstörend. Er war viele Jahre von der katholischen Kirche beauftragt, den christlich-islamischen Gesprächskreis zu führen, heute ist er engagiertes Mitglied der Gruppe: „Jetzt ist es umso wichtiger, dass wir miteinander reden. Wir alle müssen wachsam sein, um radikale Umtriebe frühzeitig zu erkennen.“ So ähnlich sieht das auch Solingens Integrationsbeauftragte Anne Wehkamp: „Wir müssen die stärken, die hier friedlich leben und arbeiten.“ Wachsam müssten dabei alle sein. kc