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06.07.2011 11:16
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Islam-Gemeinde wählt zwei Frauen in Vorstand

Von Christina Biermann

896 Ditib-Ortsgemeinden gibt es bundesweit. Doch die Solinger Gemeinde mit ihren rund 230 Mitgliedern ist etwas ganz Besonderes:

DITIB Solingen

GRÜNDUNG 1989 wurde der Verein mit 12 Personen gegründet, die gleichzeitig auch den Vorstand stellten. Heute Inzwischen zählt der Verein etwa 230 Mitglieder.

ANGEBOT Die Ditib bietet zum einen für Muslime die Möglichkeit, ihre Religion zu praktizieren. Außerdem gibt es Bildungs-, Sport- und Kulturangebote und Engagement in der Jugend-, Senioren- und Integrationsarbeit.

Erstmals in ganz Deutschland wurden zwei Frauen in den Vorstand gewählt. Keziban Altay (44), Krankenschwester, und Güler Özcan (53), Hausfrau, wurden bereits im Februar mit ihrer neunen Aufgabe betraut. Jetzt lud die Gemeinde zu einem großen Kennenlern-Frühstück an die Kasernenstraße ein. Vertreter aus Politik, Vereinen, sozialen Einrichtungen und unterschiedlicher Religionen waren der Einladung gefolgt.

Einige Frauen müssen noch für die Vereinsarbeit begeistert werden

Damit ist schon ein Ziel der beiden Frauen erreicht. „Wir möchten die Menschen zusammenbringen“, erklärt Güler Özcan. Seit mehr als 20 Jahren ist sie schon Gemeindemitglied und engagiert sich in vielen Bereichen. „Hier in der Moschee ist immer was los.“ Besonders ihre Geschlechtsgenossinnen wollen die beiden mobilisieren und es gibt viel zu tun. „Hier wird nicht nur gebetet“, erklärt Keziban Altay. Leseprojekte, der Sportverein, Nachhilfeunterricht, die Folkloregruppe, kulturelle Reisen, Korankurse – das ist nur ein kleiner Ausschnitt aus dem Vereins- und Gemeindeleben.

„Zwei Frauen überzeugen vielleicht mehr als eine.“

Güler Özcan Vorstand

Vielen Frauen der Gemeinde sei aber die aktive Vereinsarbeit noch nicht so sehr vertraut. Vielleicht könne man sie noch ein wenig anstoßen. „Zwei Frauen überzeugen vielleicht mehr als eine“, sagt Güler Özcan augenzwinkernd. Besonders am Herzen liegt dem gesamten Vorstand die Bildungs- und Integrationsförderung. Jugendlichen Angebote zu bieten, sei wesentlich, erklärt der Vorsitzende Osman Korkmaz.

Beide Frauen wollen die Ditib nach außen vertreten und nach innen stärken. „Ich wünsche mir, dass alle Menschen aufeinander zugehen – ohne Ängste. Hier ist jeder jederzeit willkommen“, betont Keziban Altay. Daher soll das große Frühstück auch nicht das letzte gewesen sein. Oberbürgermeister Norbert Feith, der mit seiner Frau zugegen war, sagte: „Das ist eine großartige und vorbildhafte Idee.“