ANALYSE Der Weg zu neuen Gewerbeflächen ist lang. Die Ansichten allerdings, ob sie überhaupt gebraucht werden, sind mitunter verschieden.
Von Björn Boch
Der politische Graben beim Thema Gewerbeflächen könnte tiefer kaum sein. Er verläuft vor allem zwischen CDU und Grünen. Denn während die Grünen ihre Bedenken gegen die Erschließung neuer Gewerbeflächen morgen in einer Pressekonferenz untermauern wollen, bleibt die CDU bei ihrer Forderung nach neuen Flächen und verweist auf einen Antrag, der von der Stadtverwaltung bereits vor knapp einem Jahr ein Konzept zur Bevorratung ebensolcher Flächen forderte.
„Wir haben doch genügend Angebote“, sagt Martina Zsack-Möllmann, Fraktionssprecherin der Grünen. „Dass für die Firma Kronenberg keine ausreichende Fläche vorhanden gewesen sein soll, ist ein Mythos.“ Stattdessen sei die Firma mit Maximalforderungen und ohne die Bereitschaft zu einem Kompromiss in die Verhandlungen gegangen.
„Die Wirtschaft richtet sich nicht nach den Solinger Gegebenheiten“
Nur verständlich findet das die CDU. „Gewerbetreibenden kann man zwar ein Angebot machen, aber sie haben klare Pläne und Anforderungen“, sagt Waldemar Gluch, Vorsitzender des Planungsausschusses. Deshalb müsse Neues geschaffen werden: „Die Wirtschaft richtet sich nicht nach den Solinger Gegebenheiten.“
Klar ist, dass der Stadt dafür die finanziellen Eigenmittel fehlen. Um hier Abhilfe zu schaffen, gibt es das regionale Gewerbeflächenkonzept, das vom Planungsausschuss bereits mit großer Mehrheit abgesegnet wurde. Es dient, nach der Zustimmung aus Wuppertal und Remscheid, als Gesprächsgrundlage mit der Bezirksregierung. Ziel sind Fördermittel für neue und alte Flächen (Brachen). Die SPD trägt den Beschluss mit, verweist aber darauf, dass Gebiete wie der Keusenhof wohl nie realisiert würden.
Die Grünen waren gegen das Konzept. Auch, weil zum Teil Klimagutachten jetzt erst vorliegen. Sie befürchten, irgendwann vor vollendete Tatsachen gestellt zu werden. Zsack-Möllmann fordert die Wirtschaftsförderung auf, sich stattdessen stärker auf das Gebiet zukunftsträchtiger Technologien zu konzentrieren.
Die Diskussion um Gewerbegebiete unterliegt auch Wirtschaftszyklen
Bei der Wirtschaftsförderung beobachtet man die politische Debatte aufmerksam. Auffällig sei, dass sie gewissen Zyklen unterliege. „Nehmen wir das Beispiel Piepersberg. In der Wirtschaftskrise vor drei, vier Jahren kam – überspitzt gesagt – die Frage auf, ob das Gebiet überhaupt gebraucht werde, weil sich da keiner ansiedele“, sagt Bernd Plohmann. „Heute können wir sagen, dass es bald voll sein wird. Deshalb müssen wir Gebiete vorausschauend planen.“
Unbestritten sei der Bedarf an neuen Gewerbeflächen. Auch die anderen Vorwürfe der Grünen weist er zurück. „Wir müssen die ansässigen Firmen halten. Nur mit Zukunftstechnologie können wir den Standort nicht sichern.“ Aktuell arbeite die Wirtschaftsförderung daran, das Gebiet Fürkeltrath I „für produzierende Unternehmen aufzubereiten“. Konkreter möchte Plohmann diesbezüglich nicht werden.
Fakt aber ist: Auch kleinere Firmen wie Metallblau haben Schwierigkeiten, Flächen zu finden, selbst bei einem Bedarf von nur rund 2000 bis 2500 Quadratmetern (siehe Artikel rechts).