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22.02.2012 10:06
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Expertinnen: Fasten zum Abnehmen ungeeignet

Das Gespräch führte Daniela Neumann

Wie bewerten Sie das Fasten?

Melanie Monscheuer: Nach TCM (alle Abkürzungen siehe Kästen, Anm. d. Red.) ist Fasten verpönt. Es ist danach nur für Leute, die richtig gesund sind, und sollte – wenn überhaupt – unter ärztlicher Kontrolle laufen.

Maria Gröne-Stremmel: Fasten ist eher eine spirituelle Sache und zum Abnehmen als Diät ungeeignet – weil ich den Körper total runterfahre. Und hinterher habe ich dann den bekannten Jojo-Effekt.

Andrea Seeger: Ich halte Fasten für überflüssig. Es gibt vielleicht diesen Verzichtwunsch: Mal sehen – wie geht es mir, wenn ich nicht das Glas Wein am Abend trinke. Aber das kann man das ganze Jahr über machen. Es gibt jedenfalls keine Studie, die Schlackstoffe im Körper gefunden hat.

Gröne-Stremmel (nickt): Das ist eine Metapher für ein Gefühl, sie gibt es nicht. Die Geschmacksnerven werden höchstens feiner.

Seeger: Dieses Gefühl kann ich mir vorstellen bei Leuten, die sich nicht ausgewogen ernähren.

Was ist denn ausgewogene, gesunde Ernährung?

Seeger: Das, was dem Menschen schmeckt, satt macht und alle Nährstoffe liefert. Leider wird immer eine Trennung gemacht zwischen Genuss und gesunder Ernährung (die anderen beiden nicken). Das eine schließt das andere für mich nicht aus. Und wer abnehmen will, muss weniger Kalorien zu sich nehmen, als er verbrennt.

Gröne-Stremmel: 1150 Gramm Masse braucht der Durchschnittsmensch pro Tag, um nicht Hunger zu leiden.

Was sind die Bausteine gesunder Ernährung?

Gröne-Stremmel: Die DGE empfiehlt etwa 15 Prozent Eiweiß, 30 Prozent Fett und 50 bis 60 Prozent Kohlenhydrate am Tag. Meine persönliche Empfehlung: Nach 20 Uhr weniger Kohlenhydrate, denn darauf folgt eine Insulinausschüttung, und die bremst den Fettabbau in der Nacht und die Ausschüttung des Schlafhormons Melatonin.

Seeger: Nach der Logi-Methode isst man 10 bis 20 Prozent Eiweiß, nur 30 Prozent Kohlenhydrate und um die 40 Prozent Fette am Tag.

Sie empfehlen dabei drei Mal Gemüse, zum Teil roh, und zwei Mal Obst pro Tag. Außerdem betonen Sie die Bedeutung des Frühstücks. Warum?

Monscheuer: Nach unserer Organuhr soll man nach 19 Uhr nichts schwer Verdauliches mehr essen, das passt zu Ihrer Empfehlung, Frau Gröne-Stremmel. Auf der anderen Seite ist um zwölf Stunden verschoben die Nahrungsaufnahme von 7 bis 11 Uhr morgens besonders in Gang, deshalb sollte man gut frühstücken.

Wie sieht Ihrer Meinung nach ein prima Ernährungstag mit drei Mahlzeiten aus?

Monscheuer: Morgens gibt es einen warmen Getreidebrei zum Sattessen. Zum Mittagessen: Rohkost oder gekochtes Gemüse, Kartoffeln; Fisch oder Fleisch alle paar Tage in Maßen. Abends: Gemüse- oder Hühnerkraftbrühe.

Gröne-Stremmel: Morgens: Brot mit Käse oder Müsli mit Obst. Mittags: Kartoffeln, Gemüse und Fisch oder Fleisch zwei, drei Mal die Woche. Abends: Salat, Brot.

Seeger: Morgens: 200 Gramm Quark mit Früchten und Nüssen oder zur Not Haferflocken, dann am Tag weniger Brot. Mittags: einen gemischten Salat mit Käse oder Thunfisch. Abends etwa braune Linsen und Steak mit grünem Salat oder Rührei mit Tomate.

Es scheint, dass Sie sich oft einig sind – nur bei Kohlenhydraten oder Fetten nicht . . .

Seeger: Ich halte viel von mediterraner Kost mit den guten Ölen.

Gröne-Stremmel: In unserer Gesellschaft gibt es eine starke Prägung auf Brot, also Kohlenhydrate. Dieses Ernährungsmuster, über Jahre gelernt, kann man bei Erwachsenen nur modifizieren. Es kommt auch darauf an: Bin ich ein süßer oder ein herzhafter Typ? Sportler oder gestresste berufstätige Mutter? Es gibt auch gute Fertiggerichte, zum Beispiel Bohnen in Tomatensauce. Da muss man aber auf den Zuckergehalt achten.

Seeger: Ich wehre mich gegen diese ganze Industrialisierung. Convenience (hier allgemeine Bezeichnung für Fertiggerichte) ja – aber erst einmal gucken, was habe ich an Grundnahrungsmitteln da. Industrieprodukte haben oft sehr viel Zucker. Und wir dürfen nicht vergessen: Unsere Lebensweise hat sich geändert, wir sind nicht mehr alle körperlich hart arbeitend.

Monscheuer: Wichtig ist also, immer die Zutatenliste zu lesen, ob ich das nachvollziehen kann.

Was ist mit Getränken?

Gröne-Stremmel: Keine Cola mehr, nur ausnahmsweise etwa bei Festen. Schorlen stark verdünnt.

Seeger: Grundgetränk ist Wasser.

Monscheuer: Und dazu nach Geschmack Kräutertees.

Was sollte man dabei noch beachten?

Monscheuer: Die Ernährung nach TCM hängt ja auch von den Jahreszeiten ab. Da empfehle ich: Wenn im Winter etwa Banane, dann erwärmt, eventuell sogar gebraten. Besser noch hiesiges Obst wie Äpfel als Kompott. Und der Pfefferminztee, egal wie heiß, wärmt nicht, weil Pfefferminze eine kühlende Wirkung auf den Körper hat. Achten soll man auf ,falsche‘ Fette wie in Chips und dafür öfter zu Studentenfutter oder Trockenobst greifen.

Seeger: Oder man sollte sich in dem Fall mehr bewegen.

Monscheuer: Dunkle Schokolade oder der Espresso bringen Bitterstoffe. Diese Geschmacksrichtung kommt bei uns oft zu kurz, ist aber zum Beispiel über Kohlsorten oder Rucola zu bedienen.

Gröne-Stremmel: Statt zu Schokolade können Kinder zu Trinkkakao oder Pudding greifen. Süß ist nun mal die erste Prägung, leider später auch gern zur Belohnung.

Monscheuer: Lange kauen, dann wird Getreide süß – dieses Wissen ist auch oft verloren. Wir sollten uns Stück für Stück wieder an den natürlichen Geschmack heranführen.