AMBULANTE DIALYSE Bei Nierenversagen muss das Blut „gewaschen“ werden. Ein Urlaub ist dennoch möglich.
Von Sabine Firouzkhah
Acht medizinische Liegen stehen im Erdgeschoss auf der Emscherstraße 6, alle sind besetzt. Dazwischen jeweils ein grauer Kasten. Hier verbringt Fritz Andree (80) drei Nachmittage in der Woche, jeweils etwa viereinhalb Stunden. Denn Andree ist Dialysepatient, seine Nieren arbeiten nicht mehr - er ist abhängig davon, dass sein Blut in regelmäßigen Abständen „gewaschen“ wird. Er ist froh, dass er in Ohligs in seiner Nachbarschaft die Möglichkeit hat, das ambulant wahrzunehmen.
Zwei Kanülen beulen seinen linken Oberarm extrem aus - von der einen läuft das Blut in das nebenstehende Gerät und von diesem wieder zurück in seinen Körper. „Mit der Zeit, die man hier verbringt, kann man nichts anfangen“, sagt Andree. „Es sind verlorene halbe Tage.“
Auch Kreislaufprobleme können durch die Blutwäsche entstehen
„Das Versagen der Nieren ist unter anderem oft eine Folge von Diabetes und Bluthochdruck“, erläutert Christina Fago-Hermes, eine von vier Ärzten des Dialysezentrums. Schmerzhaft seien weder die Erkrankung noch die Dialyse. Allerdings müsse immer wieder mit Krämpfen oder Kreislaufproblemen während der „Blutwäsche“ gerechnet werden. „Schließlich werden dem Patienten zwischen zwei und fünf Liter Flüssigkeit während einer Behandlung entzogen“, so Fago-Hermes. „Denn in der Regel findet keine normale Wasserausscheidung über die eigenen Nieren mehr statt. Stattdessen muss jede aufgenommene Flüssigkeit wieder aus dem Körper entfernt werden.“ Für den Patienten bedeutet das eine ungeheure Disziplin für sein Trink- und Essverhalten. Die Praxis versucht hier Aufklärung zu schaffen und bietet auch eine Ernährungsberatung an. Rund 120 Patienten betreut das Zentrum an seinen zwei Standorten Emscherstraße (Ohligs)und Goerdelerstraße (Mitte). Die meisten von ihnen kommen jahrelang. Für eine Nierentransplantation eignen sich aus verschiedenen Gründen nicht alle der Patienten. „Zur Zeit warten neun unserer Patienten auf eine neue Niere“, weiß die Ärztin. „In Deutschland dauert das oft sechs oder sieben Jahre.“ Die Kosten - mehrere hundert Euro - für die ambulante Dialyse übernehmen auch gesetzliche Krankenkassen.
Fritz Andree hat sich inzwischen mit der Erkrankung arrangiert. „Schon wenige Wochen nach meiner ersten Dialyse bin ich mit meiner Frau das erste Mal wieder in Urlaub gefahren. Dazu muss ich mich bei einem Dialysezentrum im Urlaubsort anmelden. Aber dass Reisen noch machbar sind, hat mir gezeigt: Damit lässt sich leben.“ Statt zu resignieren, gründete der damals 68-Jährige „seine“ Gruppe Arterielle Verschlusskrankheiten (AVK), mit 110 Mitgliedern wohl die größte in Deutschland. Dafür erhielt er im Herbst einen Ehrenpreis im Rahmen des Solinger Selbsthilfetages. Was er beklagt, sind eher praktische Dinge. So die Parksituation rund um die Emscherstraße. „Für die Dialysepatienten müsste es eine Befreiung geben.“