ÄRGER Streit um Taubenkot: Weder die Stadt Solingen noch die Deutsche Bahn fühlen sich zuständig.
Von Jennifer Preuß
Leises Gurren, vereinzelt fliegen Federn im Wind, beim Vorbeirauschen der Regionalbahn schwingen sie sich verschreckt in die Lüfte: Besonders wohl fühlen sich Solingens Tauben am Bahnhalt Mitte. Auf den Rohrleitungen über dem Bahnsteig lassen sie sich nieder. Ihr Kot landet auf dem Bahnsteig. Ein Ärgernis für Reiner Nießen, der 2008 die Patenschaft für den Bahnhalt Mitte übernommen hat. Vor allem am Aufzug türmt sich der Kot bereits zu regelrechten Misthaufen, auch das Geländer sollte man aus hygienischen Gründen möglichst nicht anfassen. „Das ist eine große Sauerei“, sagt Reiner Nießen. „Keiner fühlt sich für das Problem zuständig.“
Die Situation sei allerdings nicht neu. Bereits bei der Eröffnung der Station 2007 flogen Tauben vermehrt dorthin. Offensichtlich gibt es Passanten, die die Tiere regelmäßig füttern. Häufig liegen Essensreste auf dem Bahnsteig. Es werde zwar gekehrt, so Nießen, an der Situation ändere dies allerdings nichts.
Viel Kot macht Maßnahmen zur Taubenabwehr notwendig
„Alles, was oberhalb der Bahnpunkte ist, gehört der Stadt“, sagt Stadtsprecherin Sabine Rische. „Was darunter liegt, ist Sache der Bahn.“ Damit gehöre auch der Kot zum Zuständigkeitsbereich der Bahn. Die Deutsche Bahn selbst sieht die Situation anders. „Zuständig ist der Verursacher der Verschmutzung. Da es sich hier um ein Tier handelt, muss der Eigner der Rohrleitung, auf der sich die Tauben niederlassen, den Kot entfernen“, entgegnet Bahnsprecher Torsten Nehring. „Derjenige, der die Anlage betreibt, muss einen Taubenschutz anbringen. Wir reinigen regelmäßig.“ Mehr könne man seitens der Bahn nicht tun. Als Maßnahme zur Taubenabwehr wäre denkbar, Drähte anzubringen.
„Diese wurden aus gestalterischen Gründen aber nicht in die Baupläne miteingeplant“, sagt Sabine Rische. „Sie können aber durchaus auch nachträglich angebracht werden.“ Entsprechende Ausschreibungen werden derzeit bearbeitet. Die Bahn dagegen kann keinen Taubenschutz anbringen. „Wenn wir an der Anlage etwas tun, machen wir uns an fremdem Eigentum zu schaffen. Das geht nicht“, sagt der Bahnsprecher.
Zwar gebe es an einigen Stellen vermehrt Tauben, allerdings könne man seitens der Stadt nicht von einer Plage sprechen. Auch am Bahnhof Mitte sei die Lage nicht dramatisch. Der Kot falle nicht auf den Teil des Bahnsteigs, der von Passanten genutzt wird. Nichtsdestotrotz besteht ein Fütterverbot, um den Bestand nicht in die Höhe schnellen zu lassen. „Bedienstete des Stadtdienstes Ordnung achten darauf, dass die Tiere nicht gefüttert werden“, sagt Rische. Sollte ein freundlicher Hinweis nicht ausreichen, wird ein Bußgeld von 15 Euro fällig. Denn: Über das, was dieVögel nicht fressen, freuen sich die Ratten. „Eine Rattenplage gibt es aber nicht“, sagt Sabine Rische. „Sie sind da, fallen aber nicht so ins Gewicht.“ Aber auch beim Fütterverbot ende die Zuständigkeit der Stadt an der letzten Stufe auf dem Weg zum Bahnsteig.
Angesichts dieser Verständigungsprobleme schätzt Reiner Nießen seinen Einfluss als Pate als gering ein: „Der Enthusiasmus hat nachgelassen.“ Der Ingenieur hatte 1988 die Idee, den ehemaligen Hauptbahnhof in die Haltepunkte Mitte und Grünewald aufzuteilen. Da war es für ihn selbstverständlich, die Bahnhofspatenschaft für Solingen Mitte zu übernehmen. 2008 suchte der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr Ehrenamtliche, die Mängel an den Stationen melden. „Es ist schwer, einen Ansprechpartner zu erreichen“, bemängelt Nießen. „Die reden nicht miteinander, keiner weiß, wer für was zuständig ist.“