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20.01.2012 11:21
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Sorge ums Wupperwehr

Von Uli Preuss

Vier Jahrhunderte lang hat es Hochwasser und Kriegen getrotzt, jetzt ist es kaputt: Das alte Wupperwehr an Solingens letztem noch im Originalzustand erhaltenen Schleifkotten hat in der Mitte eine dicke Delle. Fachleute der auf Wasserbau spezialisierten Eifeler Firma Balter sahen die böse Ahnung der Schleifer bei einem Ortstermin bestätigt.

DER WIPPERKOTTEN

BAU Original erhaltene Doppelkottenanlage aus dem 17. Jahrhundert. Der Innenkotten wurde nach 1945 zu Wohn- und Atelierräumen umgebaut.


BESICHTIGUNG Ab April jeden 1. und 3. Sonntag im Monat nachmittags. Führungen nach Voranmeldungen telefonisch unter: 2 47 39 58.


INFO www.wipperkotten.com oder www.schnitt-kultur.de

Die gute neben den schlechten Nachrichten kommt dabei von Wasserbau-Fachmann Thomas Richter (50): „Es gibt zwar eine Abbruch-Senke und damit eine offene Mitte, aber die kann repariert werden.“ Nun will man schnell mit Wupperverband, Förderverein und der Denkmalbehörde nach Lösungen suchen. Die könnten teuer ausfallen, von einer sechsstelligen Summe ist bereits die Rede. Dennoch: Irgendwann, so vermutet Schleifer Herbert Loos, der dort über 40 Jahren lang arbeitete, wird die Wehrkrone vollends zerstört sein. Alle wissen hier: Das Wehr ist ein Heimatdenkmal, aber auch die technische Voraussetzung zum Betreiben des einzigartigen Schleifkottens.

Der Wipperkotten ist der letzte im Original erhaltene Schleifkotten

Ohne Wasserkraft keine scharfen Klingen – das ist seit Jahrhunderten so. Wer heute noch erleben will, wie die Messerherstellung im Bergischen Land funktionierte, wird neben dem Balkhauser Kotten besonders am Wipperkotten fündig. Im denkmalgeschützten Kleinod arbeiten auch heute noch bis zu drei Schleifer nach alter Tradition. Kaum jemand weiß, dass auch das nahe Wehr, das den Wasserdruck und 20 Pferdestärken (PS) zum Betreiben des riesigen Wasserrades liefert, denkmalgeschützt ist. Eine solide Wassersperre, gebaut aus Eichenbalken und Steinen – alles unter Wasser. „Dieses Wehr kann über 400 Jahre alt sein“, vermutet Reinhard Schrage vom Wipperkotten-Förderverein. Urkundlich erwähnt ist der alte Kotten und seine Wasserwege erstmalig im frühen 17. Jahrhundert.

Und so kommt, was zum Problem führte. Ein Denkmal, das man nicht sehen kann, wird als solches nicht wahrgenommen. Nur die Kanuten geführter Touren tragen ihre Boote um das Wehr herum, andere rasseln unerlaubter Weise drüber. So bröckelt Stein für Stein die Wupper hinunter. Das einzige Verbotsschild wurde niedergetrampelt. Dr. Klaus Strehlau vom Stadtdienst Natur und Umwelt ist verärgert: „Was helfen Schilder, wenn sich ein paar Hirnlose einfach nicht an Regeln halten können?“ Den Rest der Zerstörung schafft die Wupper und ihr Hochwasser selbst. Thomas Richter: „Wasser hat nun mal einen spitzen Kopf.“