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28.07.2010 11:18
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Solingen schrumpft vor sich hin

Der Trend ist so bekannt wie beunruhigend: Solingen schrumpft - langsam, aber beständig. 787 Einwohner hat die Klingenstadt im vergangenen Jahr verloren und ist damit unter die 160 000-Marke gerutscht. Dennoch fällt der Vergleich zu anderen Städten im Regierungsbezirk Düsseldorf noch gut aus. Denn das deutlich kleinere Remscheid etwa musste im selben Zeitraum mit einem Minus von 1257 Menschen leben. Auch Wuppertal (rund 350 000 Einwohner) trifft der Aderlass (-2258) härter. Die Bezirksregierung spricht insgesamt von einem „erneut starken Bevölkerungsrückgang“ in ihrem Zuständigkeitsbereich (-18 000). Die Größe einer Gemeinde wie Brüggen im Kreis Viersen sei verloren gegangen - vor allem weil die Schere zwischen Todesfällen und Geburten weit auseinandergeht.

„So gesehen, stehen wir noch ganz gut da“, kommentiert Rathaus-Sprecher Lutz Peters die Zahlen. Trotzdem hat die Stadt-Spitze das Problem längst auf ihrem Radarschirm. Warum, verdeutlicht die mittelfristige Prognose: Die Berechnungen für 2020 sagen nur noch 153 000 Einwohner für Solingen voraus. Selbst geringer Schwund wird auf Dauer zum akuten Problem.

Weniger Menschen heißt auch: weniger Geld

Peters verdeutlicht die Folgen an zwei Beispielen: „Die Bevölkerungsentwicklung hat auch finanzpolitisch Bedeutung, weil sie ein Faktor für die Zuteilung der Schlüsselzuweisungen ist.“ Leben weniger Menschen in der Stadt, rücken Land und Bund entsprechend weniger Geld heraus. Die Einnahmen vor Ort sinken ohnehin. Einbußen, die eine klamme Kommune wie Solingen nur schwer verkraften kann.

Auch das Stadtleben leidet, wenn ihm die Menschen abhanden kommen. „In Randlagen wird es immer schwieriger, die Versorgung aufrechtzuerhalten“, sagt Peters. Er verweist auf Schwierigkeiten, wie sie bereits im Stadtteil Burg zu beobachten sind, wo sich Leerstände und der Abbau von Infrastruktur häufen. Die dortige Grundschule etwa musste schließen, weil nicht mehr genug Kinder angemeldet wurden. „Bei starkem Rückgang drohen Verödungen, weil es mehr Sinn macht, die Kräfte in den Zentren zu bündeln.“ Und wo erst einmal Flächen brachliegen (Läden, Wohnungen), will sich so schnell auch niemand mehr ansiedeln. Die Abwärtsspirale verschafft sich dann ihren eigenen Antrieb.

Folgerichtig, sagt Peters, versuche das Rathaus, Akzente zu setzen, mit denen der Standort Solingen im Wettbewerb punkten kann. Attraktive Baugebiete wie am Richterweg oder an der Dültgenstaler Straße (wohin etwa ein Drittel von auswärts zogen) gehörten in der Vergangenheit ebenso dazu wie ein klare Absage an höhere Kindergartenbeiträge oder das Nein zum Verzicht auf die Ermäßigung für Geschwisterkinder. Das koste die Stadt zwar 1,8 Millionen Euro pro Jahr, die dem Sparpaket auch gut zu Gesicht stehen würden. Aber noch gönnt sich das Rathaus diese Investition in die Zukunft des Standorts. kra