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03.05.2010 10:01
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Schuberts Winterreise wurde zum bewegenden Erlebnis

Einzig eine Krähe begleitet den Wanderer bis zum Ende seines Weges, eine Krähe dominiert auch den experimentellen „Music Walk“ von John Cage: eine faszinierende Einleitung zu Schuberts großem Liederzyklus „Die Winterreise“. Die 24 „schauerlichen Lieder“, wie Schubert selbst sie nannte, bilden eine der größten Herausforderungen, der sich ein Liedinterpret stellen kann. Ein zurückgewiesener Liebhaber wandert durch eine froststarre Landschaft und selten hellt sich das Bild ein wenig auf.

Nur Eisblumen lassen vom Frühling träumen, die Post bringt keinen Brief. Der Lindenbaum vor dem Tore bietet zwar Ruhe, aber es ist die Ruhe des Todes. Im Atelier Gleis 3 von Bärbel Ludwig nahm sich Immo Schröder der Aufgabe an. Mit seinem hellen, gut geführten Tenor und überzeugend emotionaler Intensität hielt er die ansehnliche Schar der Zuhörer im Bann. Es gelang ihm, die triste Reise in einem großen Bogen darzustellen, wobei Lieder wie „Der Lindenbaum“, „Frühlingstraum“ oder „Im Dorfe“ als Haltepunkte dienten. Bewegend gelangen „Der Wegweiser“ und der Abschied mit „Der Leiermann“. Ein Sänger kann mit der Winterreise einen solchen Eindruck nur erzielen, wenn er den richtigen Partner am Flügel hat. Mit Marc Reichow hatte Schröder einen Pianisten, der den anspruchsvollen Klavierpart nicht nur souverän vortrug, sondern durch hohes Einfühlungsvermögen den Gesamteindruck entscheidend mitgestaltete. Dankbarer Beifall. KG