POLIZEI Hintergrund des Großeinsatzes ist noch unklar: Staatsanwaltschaft will heute eine Erklärung abgeben.
Von Susanne Koch und Hans-Peter Meurer
Gestern Nachmittag, kurz vor 16 Uhr: Ein Konvoi von zehn Polizeifahrzeugen hält am Rand der Konrad-Adenauer-Straße, Richtung Schlagbaum. Aus vier Mannschaftswagen springen gut drei Dutzend uniformierte Beamte der Wuppertaler Einsatzhundertschaft. Binnen weniger Sekunden ist der Bürgersteig abgeriegelt. Zwei Hundeführer und vier Wuppertaler Kripobeamte gehen schnellen Schrittes in die Zufahrt der Häuserzeile, in der die umstrittene Millatu-Ibrahim-Moschee ihr Domizil hat. Vor dem Eingang der Salafistenzentrale stoppen sie – mit einem Durchsuchungsbeschluss des Amtsgerichts Düsseldorf in der Hand.
Während sich auf der Konrad-Adenauer-Straße der Berufsverkehr am einspurigen Engpass zunehmend staut, spricht sich der Polizei-Großeinsatz wie ein Lauffeuer herum: Binnen kürzester Zeit beobachten gut 150 Schaulustige die Szene.
Nach gut zwei Stunden ist die Durchsuchung beendet. Die Kripobeamten stellen einen Rucksack und eine Reisetasche sicher. Festnahmen gibt es offensichtlich nicht.
Auch Wohnungen im Großraum Düsseldorf durchsucht
Federführend bei der Aktion ist die Staatsanwaltschaft Düsseldorf. Ihr Sprecher Ralf Herrenbrück gibt sich am Abend wortkarg. Die Maßnahme stehe in Zusammenhang mit drei Durchsuchungen von Privatwohnungen im Großraum Düsseldorf.
Der in Solingen bis vergangene Woche ansässige Hassprediger Mohammed H. – er hält sich nach ST-Informationen nunmehr im Raum Frankfurt auf – sei nicht Zielperson der Aktion gewesen. Auch gehe es nicht um schwerere Delikte wie Terrorvorbereitung. Der Staatsanwalt kündigt für heute eine Erklärung an: „Nach Sichtung der Durchsuchungsergebnisse.“
Es ist nicht die erste Hausdurchsuchung für den Neu-Wuppertaler Yousef Abu-Ghazaleh. Gestern regt er sich über den Polizei-Einsatz in der Millatu-Ibrahim-Moschee auf. Er ist nämlich der stellvertretende Vorsitzende der Hinterhof-Moschee, die im Sommer 2011 in die Schlagzeilen geriet, als zwei zum Islam konvertierte Solinger (24/29) in England verhaftet wurden. Nach Angaben Abu Ghazalehs hat die Gemeinde „nur 15 Mitglieder“. Er versichert, der Solinger Robert B. sei noch in England. Er glaube nicht, dass dieser nach Solingen zurückkehre.
Seine erste Durchsuchung erlebte der gebürtige Palästinenser Abu-Ghazaleh im August 2002. Seine Frau und sein Kind hielten sich in der damaligen Wohnung am Werwolf auf, als Beamte die Türe aufbrachen. Zeitgleich wurden 2002 auch Räume der Al-Nour-Moschee und des Islamischen Zentrums – damals noch auf dem Areal des früheren Güterbahnhofs – nach Unterlagen des Al Aqsa-Vereins durchsucht. Dieser Verein war 2002 wegen seiner Nähe zur militanten Hamas-Bewegung verboten worden.