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23.02.2012 10:07
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Salafismus: Breite Front gegen Extremisten

Von Christina Biermann

Der Andrang war groß gestern Abend bei der Veranstaltung „Salafismus – eine Gefahr für unsere Stadt?“. Die Stadt hatte in das Forum der Volkshochschule (VHS) Experten des Verfassungsschutzes und den Solinger Polizeichef Stefan Kronenberg eingeladen, damit sich Bürger – „leider aus aktuellem Anlass“, wie es VHS-Leiterin Dagmar Becker bezeichnete – zum Thema informieren konnten. Hintergrund: Seit kurzem befindet sich an der Konrad-Adenauer-Straße die Milliatu-Ibrahim-Moschee, die dem Salafismus zugeordnet wird. Von hier aus werden radikal-salafistische Botschaften verbreitet.

Zuhörer aus der ganzen Stadtgesellschaft

Auch Oberbürgermeister Norbert Feith und Ordnungsdezernent Robert Krumbein standen Rede und Antwort. Rund 200 Bürger, Vertreter etwa aus Politik, Kirche, muslimischen Gemeinden, Schulen, Vereinen und Interessengemeinschaften kamen, verfolgten die Vorträge stehend sogar vom Flur aus.

Nicht als Terroristen, aber als Extremisten in verschiedenen Schattierungen, die zu Terroristen werden können, ordne der Verfassungsschutz die salafistischen Strömungen in Deutschland derzeit ein, erklärte Volker Trusheim vom NRW-Innenministerium. Der Islamwissenschaftler erklärte, dass die salafistische Szene in Deutschland wachse, ihre Anhänger jung seien und sich besonders auch über das Internet an Jugendliche wendeten. Rund 90 Prozent der Anhänger seien deutsch, gepredigt würde inzwischen auch überwiegend auf deutsch. Als Hauptziel müsse die Errichtung eines islamistischen Gottesstaates unterstellt werden.

„Salafismus spricht sich dezidiert gegen die freiheitliche Grundordnung aus“, betonte Feith. Polizeichef Stefan Kronenberg erklärte nachdrücklich, die Solinger Polizei sei gut aufgestellt. „Wir arbeiten mit unterschiedlichen Sicherheitsbehörden zusammen – offen und verdeckt.“ Konkrete Einzelheiten dürfe er nicht nennen. „Sie können sicher sein, dass festgestellte Straftaten konsequent verfolgt werden.“

Ob und welche Gefahr für Bürger in Solingen besteht, interessierte die Zuhörer. „Bis auf Übergriffe auf zwei Journalisten sind uns bislang keine gewalttätigen Angriffe bekannt“, sagte Feith. Seitens der Stadt würde alles rechtlich Mögliche unternommen. Er sehe die größte Gefahr darin, dass gezielt versucht werde „Jugendliche einzufangen“. Trusheim: „Das Zurückdrängen des Salafismus ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.“

In diesem Sinne werde die Stadt mit Schulen in Kontakt treten, um präventiv entgegenzuwirken, dass Jugendliche in den Bann von Extremisten – egal aus welcher Richtung – angezogen würden. Auch wolle Feith sich an NRW-Schulministerin, die Solingerin Sylvia Löhrmann, wenden und sich für ein präventives Schulkonzept in NRW einsetzen.

Etliche Zuhörer trieb um, was der Einzelne konkret tun könne. Viele sorgten sich um ihre Kinder – besonders muslimische Vertreter befürchteten, dass sie selbst und ihre Kinder in „eine Schublade“ mit Extremisten gesteckt würden. Wachsamkeit, Zivilcourage und offene Gespräche, betonten die Referenten, seien die wichtigsten Gegenmittel.

Vor der Veranstaltung trafen sich Ratsmitglieder im Büro von OB Feith. Sie schlossen sich der Erklärung gegen radikal-salafistische Aufrufe und Botschaften an. Bereits am 11. Februar haben rund 50 Vertreter muslimischer und christlicher Gemeinden, Organisationen und Verbände gemeinsam diese Erklärung unterzeichnet (ST berichtete). Für alle Bürger liegt sie zur Unterschrift unter anderem in der Stadtbibliothek, Mummstraße 10, aus.

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