BRÜCKENFEST Die Gelegenheit, mit einer Dampflok und historischen Waggons eine Tour durch das Bergische Städtedreieck zu unternehmen, ließen sich Tausende von Eisenbahn-Fans nicht entgehen.
Von Karl-Rainer Broch
Zu den Fans, die ihre Modelleisenbahn zuhause nur in Eisenbahner-Uniform mit Mütze, Kelle und Trillerpfeife in Gang setzen, gehört Roland Westphal (61) nicht. Der Solinger, hauptberuflich als Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft tätig, erhielt als Zehnjähriger von seinem Vater eine H0-Eisenbahn geschenkt: „Die Lok läuft heute noch.“
Seitdem hat ihn das Hobby nicht mehr losgelassen. Daher war es auch kein Wunder, dass er am Samstag gleich mit dem ersten Dampfzug zur Tour durchs Bergische Land startete und seine Mitreisenden mit vielen fachmännischen Details erfreute.
„Ich betreibe mein Hobby, weil es mir Spaß macht. Es stört mich nicht, ob der Maßstab aufs Genaueste stimmt.“
Am Wochenende waren aber nicht nur „Pufferküsser“ und „Nietenzähler“ unterwegs, sondern überwiegend „Fachleute“, die ihr Hobby mit Freizeitvergnügen koppeln. Dazu gehörte auch das Personal der beiden Dampfzüge und des historischen Schienenbusses.
Lokführer Sonau war schon beim ersten Brückenfest dabei
Zugführer Sönke Windelschmidt, von Beruf Bauingenieur, fährt an den Wochenenden mit der Dampfeisenbahn: „Andere spielen Fußball.“ Auch Reinhold Bernhard Sonau ist im Jahr von 52 Wochenenden 20 unterwegs.
Er ist der Lokführer der Lok „78 468“ und war schon beim ersten Brückenfest dabei. Letzte Woche feierte er sein 25-jähriges Dienstjubiläum. „Mich faszinieren die freudestrahlenden Augen, wenn der Zug in den Bahnhof einfährt.“ Eine von den technisch interessierten Frauen, die er gerne auf dem Führerstand mitfahren lässt, ist Christine Niedermeier. Sie ist begeistert: „Wir stehen in der formschönsten Lok Deutschlands“, was die „alte Dame“ vom Baujahr 1923 sicherlich freuen wird. Der Zug hat inzwischen vor den Güterhallen in Höhe des früheren Hauptbahnhofs einen Foto-Stopp eingelegt, dann geht es über die Müngstener Brücke, wo ein lang gezogener Pfiff die Menschen im Tal auf das seltene Dampfzug-Ereignis aufmerksam macht.
Die abschüssige Strecke von Ronsdorf nach Barmen wird problemlos bewältigt, der Zug gerät nicht ins Rutschen. Der Gegenzug mit der Lok „38 2267“ hat vorsichtshalber eine „Angstlok“ angekoppelt. „Die Diesellok muss einspringen, wenn mit Dampf der Anstieg nach Remscheid nicht geschafft wird“, so Roland Westphal. Er hatte beim Aufbau seiner gut zehn Quadratmeter großen Anlage die Auswahl, die RGB-Schienen entweder im Wohnzimmer oder aber im Keller unterzubringen. Seine Partnerin Waltraud Bahroun war mit dem Wohnzimmer einverstanden: „Sonst wäre er abends nicht dagewesen.“
Die Solinger Wirtschaftsförderung hatte eine „Donnerbüchse“für die Fahrt reservieren lassen. Roland Westphal: „Das Ganzstahlfahrzeug ermöglicht kein komfortables Fahren, eher ist es ein rollender Lautsprecher.“ Das störte aber die Mitreisenden wenig.