Snippets
Snippets
23.02.2012 11:59
Drucken Vorlesen Senden
Prozess: Legte ein Bewohner (70) das Feuer?

Dramatische Szenen müssen sich nach einem ausgedehnten Kellerbrand in der Nacht zum 2. Oktober 2010 in einem älteren Mehrfamilienhaus an der Weyerstraße abgespielt haben: Zwei aus dem Schlaf gerissenen Familien aus den Obergeschossen war der Fluchtweg über das verqualmte Treppenhaus abgeschnitten. Panik machte sich breit, die darin eskalierte, dass eine 61-jährige Bewohnerin in ihrer Not aus einem Fenster im ersten Stock sprang. Sie verletzte sich dabei schwer, zog sich diverse Bein- und Rückenwirbelbrüche zu. Sie kann nicht mehr arbeiten und leidet noch heute erheblich unter dem Erlebten. Das gilt ebenso für eine 17-jährige Schülerin, die sich auch anderthalb Jahre nach dem Brand immer noch in psychotherapeutischer Behandlung befindet. Weitere sechs Bewohner, die damals von der Feuerwehr über Drehleitern gerettet wurden, erlitten zudem Rauchvergiftungen.

Das folgenschwere Feuer, das zudem einen Gebäudeschaden von 90 000 Euro verursachte, soll ein heute 70-jähriger, bislang unbescholtener Bewohner des Hauses gelegt haben. Davon geht zumindest die Wuppertaler Anklagebehörde aus: Gestern begann vor der 3. Strafkammer des Landgerichts Wuppertal der Prozess.

Es ist ein Indizienprozess, in dem sich die Aufklärung der Brandstiftung schon am ersten Verhandlungstag als äußerst schwierig erwies: Unmittelbare Tatzeugen gibt es nicht, und die Beweise für eine Schuld des Seniors sind bislang rar.

Mehrere Nachbarn haben den Angeklagten öfters zündeln sehen

Der Angeklagte schweigt sich nach wie vor zu den Vorwürfen aus, er verweigerte auch die Aussage zur Person und hat es zudem abgelehnt, sich von einem Arzt medizinisch-psychologisch untersuchen zu lassen. Das ist sein gutes Recht. Auch seine Ehefrau sowie die erwachsenen Söhne und Töchter, die damals ebenfalls in dem Haus lebten, machten gestern von ihrem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch.

Verschiedene Nachbarn hatten allerdings bereits vor dem folgenschweren Brand mehrfach beobachtet, wie der 70-Jährige auf seinem Terrassen-Balkon immer wieder gezündelt und dabei Pappkartons, Tetra-Packs und anderen Kleinmüll verbrannt hatte. Auch hatte es zuvor bereits hinter dem Haus in einem Garagenanbau gebrannt, einmal gingen Bauabfälle auf einer anderen Terrasse in Flammen auf.

Der Vater soll auf dem Balkon ausschließlich Korankalenderblätter verbrannt haben, weil diese nicht in den Müll gehörten – so hatte es früher einmal eine Tochter des 70-Jährigen gegenüber der Polizei geäußert.

Der angeklagte Brand vom Oktober 2010 hatte für Aufsehen gesorgt, weil zunächst ein fremdenfeindlicher Anschlag nicht auszuschließen war. hpm

Tipps und Termine in der Region
Streit um Töchter endet tödlich
Linien für Radfahrer
Star Wars in Altenberg
Synagoge beschmiert