RECHTSEXTREMISMUS 2009 marschierte „Pro-NRW“-Kandidat Tobias Nass auf einer Neonazi-Demo. Laut NPD zahlt er noch Spenden an die Partei.
„Pro NRW“ legt Wert darauf, nicht mit Rechtsextremisten in einen Topf geworfen zu werden. Weil der NRW-Verfassungsschutz die Gruppe wegen des Verdachts auf verfassungsfeindliche braune Umtriebe beobachtet, zog „Pro Köln“ sogar vor Gericht - bisher erfolglos (siehe Kasten). Das Führungspersonal von „Pro Köln“ und „Pro NRW“ sei teilweise identisch, so die Verfassungsschützer.
Jetzt könnte der Fall von Tobias Nass - Solinger Landtagskandidat für „Pro NRW“ - den Verdacht des Verfassungsschutzes verstärken: Es gibt neue Hinweise auf eine extrem rechte Gesinnung des Mannes.
Vor kurzem erklärte der 31-jährige Maler und Lackierer dem Tageblatt, er habe sich mit 25 Jahren aus der rechtsextremistischen Szene gelöst. Dazu passt aber nicht, dass Tobias Nass noch vor einem Jahr an einem Neonazi-Aufmarsch im rheinischen Stolberg teilgenommen hat. Das gab er gestern auf ST-Nachfrage zu. In Stolberg marschieren seit 2008 Neonazi-Gruppen auf, um an einen getöteten 19-Jährigen zu erinnern. Weil der Täter ausländische Wurzeln gehabt habe, hätten die Rechten das Opfer zum Märtyrer stilisiert, so der Verfassungsschutz.
„Der Fall Tobias Nass zeigt, dass nicht zwingend NPD draufstehen muss, wo NPD drin ist.“
Claus Cremer NPD-Spitzenkandidat
„Die Demonstranten rekrutierten sich vorwiegend aus Neonazis - darunter ‘Autonome Nationalisten’ und NPD-Aktivisten“, heißt es im Verfassungsschutzbericht 2009 über den Aufmarsch. Als Versammlungsleiter seien ein NPD-Funktionär und ein Neonazi aufgetreten. Auf die Frage, warum er im April 2010 nicht teilgenommen habe, antwortete Tobias Nass gestern: „Ich hatte keine Lust.“
Noch 2005 kandidierte er in Leverkusen für die rechtsextremistische NPD. Schon 2006 will er die Partei verlassen haben. Die NPD sagt aber etwas ganz anderes: Nass sei von 2000 bis 2010 Mitglied gewesen, schreibt der stellvertretende NPD-Landesvorsitzende Markus Pohl in einer eidesstattlichen Versicherung, die dem Tageblatt vorliegt. Die Austrittserklärung des Malers sei erst am 27. Januar 2010 in der Berliner NPD-Bundeszentrale eingegangen. Tobias Nass zahle sogar noch regelmäßig Spenden an die NPD, so Markus Pohl - monatlich 15 Euro aufs Konto des Kreisverbandes Düsseldorf/Mettmann. Die letzte Zahlung sei am 1. April 2010 eingegangen.
Tobias Nass bestreitet das. Er zahle nichts an die NPD; er habe den Dauerauftrag bei seiner Bank nach seinem Parteiaustritt 2006 gekündigt. Die Austrittserklärung vom 27. Januar 2010 habe er nicht verfasst. Warum stellt die NPD dann solche Behauptungen auf? Nass: „Die sind wahrscheinlich beleidigt.“
„Pro NRW“ und NPD konkurrieren bei der Landtagswahl 2010 am rechten Rand um Stimmen. Die NPD meldete für den 1. Mai bewusst eine Kundgebung in Solingen an, um „Pro NRW“ in der Klingenstadt nicht das Feld zu überlassen. „Der Fall Tobias Nass zeigt, dass nicht zwingend NPD draufstehen muss, wo NPD drin ist“, kommentiert Claus Cremer, der NPD-Spitzenkandidat in Nordrhein-Westfalen.
Zweifel an der angeblichen Läuterung des Tobias Nass kamen vor kurzem schon einmal auf, nachdem unzweideutige Internet-Fotos aufgetaucht waren. Eines zeigte ihn zusammen mit einem Solinger Neonazi aus der Szene der „Autonomen Nationalisten“. Auf einem anderen Bild trug Nass einen Hitler-Bart. Der „Pro NRW“-Kandidat erklärte dem ST dazu vor drei Wochen: Die Fotos seien veraltet und stünden nicht für seine aktuelle politische Gesinnung.
Ob er nach der Wahl noch politisch tätig bleibe, sei unklar, sagte Tobias Nass gestern. Möglicherweise werde er sich beruflich verändern: „Dann habe ich keine Zeit mehr.“ Kandidieren wolle er trotzdem. lm, ab