PRO NRW Internet-Bilder zeigen Tobias Nass mit Aktivisten aus militanter Neonazi-Szene.
Internet-Fotos bringen Tobias Nass (31), Solinger Kreisbeauftragter von „Pro NRW“, in Bedrängnis. Die Fotos wurden auf dem StudiVZ-Profil des Landtagswahl-Kandidaten Anfang des Jahres entdeckt, sie sind inzwischen jedoch entfernt worden.
Auf den Fotos, die dem Tageblatt als Kopie in Form von Screenshots vorliegen, ist der Ex-NPD-Mann mit einem Aktivisten der Aktionsgruppe Rheinland zu sehen, der laut Nass in Solingen wohnt. Die Aktionsgruppe ist eine Organisationsplattform so genannter Autonomer Nationalisten. Dies ist eine gewaltbereite Neonazi-Szene (ST berichtete).
Zudem ist Tobias Nass mit Hitler-Bart zu sehen. Als politische Vorbilder nannte er in dem Profil den verstorbenen Neonazi-Anwalt, NPD-Mann und rassistischen Ideologen Jürgen Rieger sowie Friedhelm Busse, verstorbener Chef der verbotenen Neonazi-Organisation FAP.
Die Fotos seien „ein billiges Manöver des politischen Gegners“, erklärt Markus Beisicht, Vorsitzender der rechtspopulistischen Vereinigung „Pro Köln/NRW“ auf Anfrage. Es handle sich um Manipulationen.
Tobias Nass erklärte gegenüber dem ST, dass er die Person sei, die auf den Fotos zu sehen ist. Allerdings seien die Fotos veraltet und stünden nicht für seine aktuelle politische Gesinnung. Das Foto, auf dem er einen falschen Hitler-Bart trägt, sei in einem Urlaub in Ägypten aus „Jux und Tollerei“ entstanden.
Die Bilder, auf denen er mit dem AG-Rheinland-Aktivisten zu sehen ist, seien „vier, fünf Jahre alt“. Vielleicht stamme eins der jüngeren Fotos aber auch aus dem Jahr 2007 - aufgenommen in einer der „zwei, drei Gaststätten, wo man mal hingeht“. „Das ist jedoch Vergangenheit“, betont der selbstständige Malermeister. Er erläutert: „Mit der extrem rechten Szene habe ich meine Jugend verbracht, bis zu meinem 25. Lebensjahr.“ Sie sei ein „Teil“ seines „Lebens gewesen“. „Damit habe ich aber abgeschlossen.“ 2006 sei er aus der NPD ausgetreten. Er habe Freunde unterschiedlicher Nationalitäten. „Da denkt man anders.“
„Wenn wir uns auf der Straße begegnen, grüßt man sich halt“
Mit jenem Rechtsextremisten, der Szene-Beobachtern zufolge öffentlich als bekennender Aktivist der Aktionsgruppe Rheinland auftritt und aktiv ist, pflege er keinen Kontakt. Aber er ergänzt: „Der wohnt ja in Solingen. Wenn wir uns auf der Straße begegnen, grüßt man sich halt.“
Seit der Gründung der Vereinigung werden immer wieder Fälle bekannt, die Querverbindungen von „Pro NRW“ zur extremen Rechten deutlich machen, weiß Hans-Peter Killguss vom NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln. In der Regel drohe „Pro NRW“ mit Klagen im Falle einer Verbreitung von Informationen. Beispiel: In der Broschüre „Köln ganz rechts“ des Jugendclubs Courage etwa zeigt ein Foto den Ehrenfelder Bezirksvertreter von „Pro Köln“, Heinz Kurt Täubner, auf einer Nazi-Feier in der 80er Jahren und dessen Mitgliedsausweis der „Schwarzen Front“. Hier habe Markus Beisicht erklärt, es handle sich um Fotomontagen und juristische Schritte angekündigt, weiß ein Sprecher des Kölner Bündnisses gegen „Pro Köln/NRW“. „Die sind aber nie erfolgt.“
Hintergrund: Anhänger von „Pro Köln“ hatten „Pro NRW“ gegründet. Bei „Pro Köln“ bestehen laut Verfassungsschutz „tatsächliche Anhaltspunkte für den Verdacht einer rechtsextremistischen Bestrebung. In Anlehnung an Pro Köln tritt Pro NRW auf und weckt bewusst Ängste. Die Partei beschwört mit einer angeblichen muslimischen Gefahr ein Angstszenario herauf“. lm