SCHALTJAHR-KINDER Solinger, die am29. Februar zur Welt kamen, berichten von ihren Erlebnissen mit diesem Datum.
Von Thomas Kraft, Sonja Kuhl und Jennifer Preuß
Wenn Daniela Pfennigwerth als kleines Mädchen einen Blick auf den Kalender warf, dann war sie maßlos enttäuscht. „Für ein Kind ist es total schlimm, wenn man dort sein Geburtsdatum nicht findet“, sagt die Solingerin. „Auch mein 18. Geburtstag stand nicht im Kalender.“ Ihr Problem: Die Marketing-Assistentin des Solinger Tageblatts ist am 29. Februar 1980 zur Welt gekommen und wird heute 32. Durch den vierjährigen Schaltjahr-Rhythmus ist es erst das achte Mal, dass sie an diesem Tag auch wirklich feiern kann.
Mit dieser Besonderheit muss Daniela Pfennigwerth in der Klingenstadt nicht alleine zurechtkommen. Das Geburtsdatum von weiteren 49 Frauen und 42 Männern fällt ebenfalls auf den 29. Februar. In den Jahren dazwischen müssen sie also notgedrungen auf einen anderen Tag ausweichen.
Wenn der 29. ausfällt, feiert Daniela Pfennigwerth „wie es passt“ – am 28. Februar oder am 1. März. Die Oma aus Dresden schimpft immer, wenn sie den Tag vorverlegt: „Da war das Kind ja noch gar nicht da.“
Das ausgefallene Geburtsdatum macht aber auch anderen zu schaffen. So wollte sie als Teenager ihren Personalausweis beantragen. Doch der Beamte brummte: „Das Geburtstdatum stimmt nicht.“ Die Mitschüler wollten wissen, ob sie auch nur alle vier Jahre etwas geschenkt bekomme. „Ja, aber dafür vervierfacht“, konterte die Solingerin.
Der Vorteil: Das Alter immer durch vier zu teilen, hält lange jung
Schaltjahr-Geburtstage sind für Daniela Pfennigwerth ganz besondere: „Ich bekomme dann oft Kinder-Geburtstagskarten.“ Zum sechsten dieser Geburtstage (also ihrem tatsächlich 24.), erhielt sie eine Schultüte. Beliebt sind in den Zwischenjahren Neckereien. Dann heißt es zum Beispiel: „Dein Geburtstag fällt dieses Jahr aus. Da können wir uns die Geschenke sparen.“
Heute ist es anders. Gestern Abend hat Daniela Pfennigwerth im kleinen Kreis in ihren Geburtstag reingefeiert. Das nächste Mal geht das ja erst wieder 2016.
Horst Westkämper (76) hält es ähnlich. Der frühere Landtagabgeordnete und Vorsitzende der Solinger CDU feiert heute Abend mit seiner Familie bei einem leckeren Essen. „Endlich 19“, sagt der gebürtige Sauerländer. Er hat ein Alter erreicht, in dem er den 29. Februar als Geburtstag und die dadurch geviertelte Zahl der Lebensjahre gar nicht mehr so schlecht findet. „Das hält jung“, flachst er.
„Die Leute wissen nicht, wann sie einem gratulieren sollen.“
Horst Westkämper
„Ein bisschen blöd“ sei das mit den Schaltjahren aber schon, gibt Westkämper zu. „Die Leute wissen nicht, wann sie einem gratulieren sollen.“ So haben auch gestern schon welche angerufen und waren verwundert, dass sie zu früh sind. „Das steht doch bei uns so im Kalender“, sagen sie dann. Denn Westkämper erklärt schon ein Leben lang: „Ich habe am letzten Tag im Februar Geburtstag“ – und das ist nur selten der 29.
Diejenigen, die zu seinen aktiven Zeiten nicht vorher gratulieren wollen, weil das angeblich Unglück bringt, kamen dann am 1. März zu spät. „Meinen Empfang habe ich immer am 28. Februar gegeben.“ Weil Westkämper am 29. Februar 1936 gegen 5 Uhr morgens zur Welt kam, gab es damals auch keine Gelegenheit zu schummeln. „Wenn es nur ein paar Minuten nach Mitternacht gewesen wären, hätte man das Datum ja vielleicht vorverlegen können. Doch so ging das nicht.“ 76 Jahre später hat er sich längst daran gewöhnt.
Einen Grund zu feiern haben auch die Zwillingsbrüder Uwe und Wilfried Odrian: Heute ist ihr 15. Schaltjahrgeburtstag. Sie werden 60 Jahre alt. Gefeiert wird zunächst in einem kleinen Rahmen mit engen Familienangehörigen. „Im Sommer wollen wir aber nochmal größer feiern“, sagt Wilfried Odrian. Statt Kerzen werden zwei Zahlen auf der Geburtstagtorte stehen: 15 und 60.
„Es wäre schön, nochmal 15 zu sein. Dann aber in einer anderen Zeit“, scherzt Uwe Odrian. „Das wäre nicht schlecht. Ich dürfte dann noch gar nicht arbeiten.“ Vor allem Gesundheit steht auf den Wunschzettel der Solinger Zwillingsbrüder. „Wir wünschen uns sonst nichts“, sagt Uwe Odrian. „Wir sind zufrieden.“
Ob Schaltjahr oder nicht: Geschenke gibt es nicht nur alle vier Jahre
Da der Geburtstag ja nur alle vier Jahre im Kalender steht, gibt es in den Zwischenjahren immer am 1. März Kaffee und Kuchen. „Am 28. Februar kann man nicht feiern“, sagt Wilfried Odrian. „Das wäre ja ein Tag früher, als wir eigentlich Geburtstag hätten.“ Ganz gleich, ob am 29. Februar oder am 1. März gefeiert wird: „Geschenke haben wir immer bekommen“, erzählt Wilfried Odrian. Und nicht nur alle vier Jahre.