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08.09.2010 10:38
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Neue Thesen zu St. Reinoldi

„Bei einem Vortrag von ihm dachte ich: Der Mann muss herkommen“, schildert der Archivar der Evangelischen Kirchengemeinde Gerd Weiland. Der Mann, den er meint, ist Andreas Sassen. Der Ort: die St. Reinoldi Kapelle in Rupelrath. Das Ergebnis der Begegnung ist ein 70 Seiten starker Beitrag zur Heimatgeschichte. „Das ist ein echter Glücksfall für unsere Gemeinde. Es ist ein schönes Werk, das alles Wesentliche und Neue zusammenfasst“, so Pfarrer Wilhelm Ermen.

Andreas Sassen lebt seit 2005 in Solingen. Schon vor seinem Ruhestand befasste sich der Meister im Brennerei- und Spirituosengewerbe nebenberuflich mit Kunst, Architektur und Restauration. Gemeinsam mit seiner Tochter, der Computerlinguistin Dr. Claudia Sassen, untersuchte er nun die kleine Kapelle.

Eine ausführliche Beschreibung der Ausstattung wie Wandmalerei, Taufstein, Kanzel oder Fußbodenplatten ist ebenso enthalten wie die Auseinandersetzung mit Solinger Forschern.

So kommen die Verfasser zu dem Schluss, dass etwa um die erste Jahrtausendwende die Gebeine des Heiligen Reinold von Köln nach Dortmund gebracht wurden und die Übergabe der Reliquien am Ort der heutigen Kapelle stattgefunden hat.

Das kleine Bauwerk als frühe Form der „Autobahnkapelle“

Diese These verwies Stadthistoriker Heinz Rosenthal 1969 ins Reich der Legenden. „Wahrscheinlich ist die Kapelle zur Erinnerung an eine friedliche Übergabe der Reliquien erbaut worden und diente später Reisenden zur Einkehr“, so Sassen. „Das war vielleicht so ähnlich wie heutige Autobahnkapellen.“

Außerdem vermuten die Verfasser, dass der Chorraum nicht, wie bisher angenommen im 13., sondern erst im 15. Jahrhundert entstand. Zur Unterstützung ihrer Thesen ziehen sie Arbeiten der Universität Dortmund sowie Materialanalysen oder frühere Solinger Arbeiten heran.

Auch wenn vieles zur Geschichte der Kapelle im Dunkeln bleibt und nicht alle Ergebnisse als gesichert gelten können, fassen Sassen und seine Tochter lesenswert neue Erkenntnisse zum Rupelrather Bauwerk und seines Heiligen zusammen. Im Stadtarchiv und der Kirchengemeinde Rupelrath kann das Werk eingesehen werden. cbi