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10.06.2011 17:04
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Neubau nur letzte Option?

Dass ein Metallschrotthändler gestern in Solingen-Schaberg – in unmittelbarer Nähe der Müngstener Brücke – unterwegs war, dürfte Zufall gewesen sein. Versucht die Deutsche Bahn (DB) doch nach Angaben ihres Sprechers Udo Kampschulte alles, um möglichst bald wieder Züge über das in die Jahre gekommene Stahlbauwerk fahren zu lassen. Ein Termin gestern mit Medienvertretern vor Ort sollte dies unterstreichen.

Zu einem Brücken-Neubau, wie er in einer schriftlichen Stellungnahme der DB an den Verkehrsausschuss des Landtages erstmals offiziell erwähnt wird (ST berichtete gestern), wollte sich der Bahn-Sprecher nicht äußern. Das dreiseitige DB-Papier hat der Ausschuss gestern nur zur Kenntnis genommen. Am 14. Juli sollen nun aber Offizielle der Bahn in dem Landtagsgremium persönlich Rede und Antwort stehen. „Missverständliche Formulierungen in der vorgelegten Stellungnahme sowie Irritationen um den Zeitplan konnten so leider noch nicht geklärt werden“, sagte gestern Abend Solingens SPD-Landtagsabgeordneter Josef Neumann.

Bahn schiebt Entscheidung
erneut bis zum Jahresende auf

„Im Januar hieß es noch, Mitte des Jahres sei eine endgültige Entscheidung zur Zukunft der Brücke zu erwarten“, so Neumann. Jetzt rudere die Bahn erneut zurück und verweise darauf, dass Erkenntnisse über die weitere Nutzungsdauer der Brücke erst Ende des Jahres vorlägen. „So lange darf eine Entscheidung zur Müngstener Brücke nicht hinausgezögert werden“, kritisiert Neumann und sieht sich dabei auf breiter Front unterstützt von seinen bergischen SPD-Kollegen im Landtag: Sven Wolf, Iris Preuß-Buchholz, Dietmar Bell und Andreas Bialas.

Ein Neubau ist nach Kampschultes Worten „derzeit kein Thema“ und wäre stets nur der „schlimmste Fall“. Zunächst werde bis Ende des Jahres geklärt, welche Arbeiten zum beschlossenen Austausch der Lager nötig sind, um die bestehende Brücke bis 2016 grundlegend zu sanieren und so für die nächsten 30 Jahre fit zu machen. 30 Millionen Euro will die Bahn dafür ausgeben. Die Summe ist sei bereits im Etat der Bahn eingestellt.

Pläne liegen in der Schublade: Stahlkoloss soll versetzt werden

Nach gesicherten Informationen des ST hat die Deutsche Bahn für einen Beton-Neubau zumindest schon einen groben Kostenvoranschlag erstellt. Von 45 bis 50 Millionen Euro ist da die Rede. Außerdem macht man sich bei der DB offenbar bereits Gedanken darüber, ob und wie die Müngstener Brücke daneben als Denkmal bestehen bleiben kann. Der Stahlkoloss soll dabei minimal Richtung Süden versetzt werden, so dass bei einem Brückenneubau dieselbe Bahntrasse wie heute genutzt werden kann und auch der Bahnhof Schaberg kurz vor der Brücke erhalten bliebe.

Warum die derzeit laufenden notdürftigen Reparaturarbeiten so lange dauern, wurde gestern bei dem Termin vor Ort deutlich. So müssen die fünf Meter langen und mehrere hundert Kilogramm schweren Verstärkungselemente, nicht nur in luftiger Höhe eingebaut werden.

Sie werden zunächst mit dem Wartungswagen, der mit maximal 10 km/h unterhalb der Gleise fährt, an Ort und Stelle gebracht, bevor die Elemente eingelegt und präzise ausgerichtet werden. Wenn diese angebohrt und festgeschraubt sind, geben sie der Brücke zusätzlichen Halt. Aus Sicherheitsgründen dürften nur zehn bis 15 Arbeiter tätig sein.

Die Müngstener Brücke
ist seit 204 Tagen gesperrt

Wie lange diese Arbeiter hierfür noch brauchen werden, mochte Kampschulte nicht vorhersagen. hpm/ate