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Nazi-Gegner blockieren Solinger Hauptbahnhof
Von Knut Reiffert Im Anschluss an die Neonazi-Demonstration in Wuppertal stand am Samstagabend noch einmal der Solinger Hauptbahnhof im Blickpunkt. Wie Polizeisprecher Michael Bartsch am Sonntag berichtete, wurde kurz nach 19 Uhr die Polizei alarmiert, weil etwa 20 Personen aus dem linken Spektrum randalierten. Doch ehe die Beamten eintrafen, hatte sich die Gruppe bereits wieder vom Bahnhof entfernt. Zur Gleisblockade durch 60 bis 80 Gegendemonstranten am Samstagmittag hieß es von Seiten der Polizei zunächst, es sei nur die Strecke aus Köln betroffen, später ging dann in alle Richtungen nichts mehr. Die Bahn stellte den Zugverkehr in und um Solingen komplett ein. Vorangegangen sein soll ein Aufeinandertreffen von etwa 60 Neonazis auf dem Weg zum Aufmarsch unter dem Motto "Gegen Anti-Faschismus" in Wuppertal und rund 100 Gegendemonstranten. Beide Gruppierungen sollen nach Polizeiangaben in Ohligs den Zug verlassen haben. Die Angehörigen der linken Szene blockierten anschließend die Gleise südlich des Bahnhofs. Am Mittag räumte dann ein Großaufgebot aus Hundertschaften der Bereitschaftaftspolizei in Absprache mit der Bundespolizei Gleise und Bahnsteige. Daraufhin verliessen die Nazi-Gegner das Bahnhofsumfeld. Gegen Blockade-Teilnehmer ermittelt die Bundespolizei wegen Eingriffs in die Bahnbetriebsordnung. Die Neo-Nazis selbst machten sich nach Wiederaufnahme des Bahnverkehrs gegen 14 Uhr mit der Regionalbahn 48 auf den Weg nach Wuppertal. Dort verlagerte sich das Geschehen am Mittag von der Elberfelder Innenstadt an den Bahnhof Unterbarmen. Dort blockierten Gegendemonstranten ebenfalls vorübergehend die Bahnsteige, weil damit gerechnet wurde, dass die Teilnehmer am Neonazi-Aufmarsch hier ankommen. Die Blockade der Bahnstrecke und die anschließende Kundgebung hatten auch Auswirkungen auf den Straßenverkehr in Wuppertal. "In allen Stadtteilen ist mit Behinderungen zu rechnen", teilte Polizeisprecherin Claudia Otto wiederholt mit. In der Tat ging bis zum Abend auf der Talachse und weit darüber hinaus nichts mehr. Die B 7 war mehrere Stunden in beide Richtungen gesperrt. Gut 1500 Polizisten waren den ganzen Tag über im Einsatz, der vom Hubschrauber aus auch aus der Luft koordiniert wurde. Auf dem Kirchplatz in Wuppertal-Elberfeld versammelten sich nach Polizeiangaben 2500 Bürger zu einer offiziellen Gegendemonstration mit Reden und Bühnenprogramm. Zur Teilnahme hatten unter anderem das Solinger Bündnis "Bunt statt Braun" und die Solinger SPD aufgerufen. Insgesamt sprechen die Veranstalter der Gegendemonstration von etwa 5000 Teilnehmern. Die friedlichen Aktivitäten wurden aber durch die Gewalttätigkeiten von sogenannten Autonomen und Antifaschisten in den Schatten gestellt: Sowohl auf der B 7 als auch auf dem Bahnsteig in Unterbarmen gab es zum Teil heftige Auseinandersetzungen zwischen radikalen Gegendemonstranten und Einsatzkräften. Wie die Polizei am späten Samstagabend berichtete, gingen linke Gruppen von bis zu 100 Personen beim Aufmarsch der rund 200 Neonazis mehrfach unter massiver Gewalteinwirkung gegen die Beamten vor. Unter anderem flogen sogar aus einem Parkhaus Steine und Flaschen auf die Polizisten. Nach der von der NPD angemeldeten Kundgebung am Hofkamp wurde die Versammlung gegen 18 Uhr beendet und die rechten Teilnehmer mit Bussen der Wuppertaler Stadtwerke zum Bahnhof Vohwinkel transportiert. Das Fazit der von der Gewaltbereitschaft enttäuschten Polizei: Durch Gegendemonstranten wurden 14 Polizeibeamte verletzt. 140 Personen wurden in Gewahrsam genommen. Darüber hinaus gab es 21 vorläufige Festnahmen. Die Betroffenen müssen sich unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, Landfriedensbruch sowie Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz verantworten. Die Ermittlungen dauern am Sonntag an. ff Weitere Fotos von der Bahnhofsblockade in Solingen folgen im Laufe des Sonntags. |
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