EINBÜRGERUNG Die Solinger Bürgerin Erna Maria Hülsmann tauschte ihren niederländischen Pass gegen einen deutschen Ausweis.
Von Karl-Rainer Broch
88 Jahre lang lebt nun Erna Maria Hülsmann in Solingen, wurde hier geboren, erhielt aber jetzt erst ihren deutschen Pass. Sie war seit ihrer Heirat 1946 als Ausländerin mit niederländischer Staatsangehörigkeit registriert. Dabei war sie noch nie in ihrem Leben in unserem Nachbarland, sondern nur einmal in Belgien.
Eine von 307 Solingern, die im letzten Jahr deutsche Staatsbürger wurden
„Die holländische Staatsangehörigkeit erhielt ich 1946 zwangsweise, weil man damals automatisch die Nationalität des Mannes erhielt.“ Ihr Mann Gerd, der vor drei Jahren verstarb, war zwar auch in Solingen geboren, hatte aber schon immer einen Pass der Niederlande, ebenso wie der Schwiegervater.
Wie Erna Hülsmann dazu kam, sich jetzt nach so langer Zeit eindeutschen zu lassen, erzählte sie auch: „Der Pass muss alle sechs Jahre erneuert werden, und zwar in Düsseldorf. Das war mir zu lästig, und jetzt gehöre ich zu 307 Solingern, die im letzten Jahr die deutsche Staatsbürgerschaft erhielten.“
Die Umschreibung verlief ganz problemlos: „Ich brauchte keine Prüfung abzulegen, und man nahm auch keine Gebühren, weil ich ja damals unter Zwang Holländerin geworden bin.“ Jetzt hat sie zwei Staatsangehörigkeiten, die niederländische allerdings nur bis November, doch auf die fällige Verlängerung verzichtet Erna Maria Hülsmann jetzt gerne.
Das Schicksal der 1923 geborenen Frau ist typisch für die Zeit während des Zweiten Weltkriegs: „Ich lernte meinen Mann 1942 bei der Pfefferminz-Fabrik Dr. Hillers kennen, wo heute Haribo produziert. Er machte eine Schreinerlehre, und als er meinem Vater am Flockertsberg bei verschiedenen Arbeiten half, lernten wir uns lieben und heirateten nach dem Krieg.“
Mit Lebensmittelkarten 1946 die Hochzeit gefeiert
Die Bekanntschaft mit ihrem späteren Mann kam durch Zufall zustande, denn eigentlich hatte sie bei der Walder Firma Vogel-Bauer an der Presse gearbeitet, dort aber bei einem Arbeitsunfall ein Glied am rechten Zeigefinger verloren und musste daher zu Hillers an einen anderen Arbeitsplatz wechseln.
Die Hochzeit 1946 war von Not geprägt: „Alle Speisen mussten wir über Lebensmittelkarten besorgen.“ Ehemann Gerd wollte als Ältester von elf Geschwistern nur ein Kind, so dass Erna Hülsmann heute zwar nur von einer Tochter versorgt wird, aber sich über zwei Enkel und drei Urenkel freuen kann, die die rüstige Seniorin gerne in ihrer Gräfrather Wohnung besuchen.