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14.04.2010 10:00
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Lapawa über Gräfrath: „Ein Fass ohne Boden“

Mindestens 25 Millionen Euro, sagt Siegfried Lapawa, habe seine Immobilienfirma in den letzten Jahren im historischen Ortskern von Gräfrath investiert. Ob sich das Engagement in jedem Fall auszahlt, das wird aber selbst in seinem eigenen Haus bezweifelt. Denn den erfolgreich renovierten Schmuckkästchen wie dem Hotel Gräfrather Hof und der Gaststätte Gräfrather Klosterbräu stehen noch viele Baustellen gegenüber -und nicht selten hadert der Vorstandsvorsitzende der Silag Handel AG dabei mit der Stadt, speziell mit den Denkmalschützern. „Wo waren sie vorher, als die Gebäude noch andere Besitzer hatten?“, fragt der 48-Jährige, der am Ringelshäuschen aufwuchs. „Will die Stadt überhaupt eine Verschönerung des Ortskerns haben?“ Konkret denkt Lapawa an die Häuser In der Freiheit 39 und Gräfrather Markt 11 c. Das erste, im letzten Jahr erworbene und um 1890 gebaute Fachwerkhaus wurde zuletzt als Bäckerei genutzt und stand drei Jahre lang zum Verkauf. „Das kann nicht erst in den letzten Monaten so verfallen sein“, sagt Silag-Mitarbeiterin Caroline Kolbe und zeigt auf Schäden in der Backstube. „Da kann man sich an drei Fingern ausrechnen, dass sich das nicht rechnet und es ein Fass ohne Boden ist. Das ist nur Idealismus und Heimatverbundenheit.“

In dem um 1800 errichteten Fachwerkhaus am Markt reichen wahrscheinlich zwei Finger. Silag kaufte es 2009, nachdem der Vorbesitzer beim Entkernen gesehen hatte, was auf ihn zukam. „Da ist Hopfen und Malz verloren“, kommentiert Architekt Daniel Schroers angesichts durchgefaulter Balken. Bei der Landesdenkmalbehörde, berichtet Caroline Kolbe, sehe man das anders: Die Denkmalschützer wollten jetzt erst einmal der historischen Bedeutung des Hauses nachgehen.

Derlei kann dauern, wie der Kampf um den Gräfrather Bahnhof zeigt. Siegfried Lapawa möchte ihn lieber heute als morgen abreißen lassen, weil sich diverse Pilze eingenistet haben und Teile des Bahnhofs bereits zusammengebrochen sind (ST berichtete). Der Streit vor dem Verwaltungsgericht in Düsseldorf zieht sich. Vor einigen Wochen war das vom Gericht beauftragte Gutachterbüro Hermes und Körbe aus Lingen vor Ort. „Man rechnet im Normalfall mit sechs bis acht Wochen“, hieß es dort gestern auf ST-Nachfrage, wann die Expertise fertig ist..

Wird der „Meiers“-Saal abgerissen und neu gebaut?

„Dauerbaustelle“ ist auch die Gaststätte Meiers oberhalb vom „Klosterbräu“. Das verstaubte Schild, das den Beginn der Arbeiten anzeigt, stammt aus dem Jahr 2002. Aktueller Stand, so Architekt Schroers: Nachdem die geplante Tiefgarage nicht genehmigt wurde, will Siegfried Lapawa Immobilien jetzt den Meiers-Saal abreißen und ihn näher am „Sternensaal“ wieder aufbauen. Die Anfrage ans Bauamt läuft. Beide Säle dürften laut Stadt aber nicht gleichzeitig in Betrieb sein.

Schneller geht es wahrscheinlich mit dem Ende 2009 gekauften Gebäude Gräfrather Markt 3 voran: Die Immobilienfirma will es renovieren und in ein Apartmenthaus umwandeln. Danach sei die Modernisierung des Hotels zur Post vorgesehen. flm