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04.02.2012 10:17
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Pispers unverbissene Bissigkeit gefällt

Von Jutta Schreiber-Lenz

„Volker Pispers“ ist eigentlich ein abstruses Phänomen: Da stellt sich ein Mann auf die Bühne und hält dem Saal zweieinhalb Stunden mit schönster Bissigkeit und treffender Häme einen unbequemen Spiegel vor – und die Leute lachen sich schlapp. Erklatschen am Schluss sogar noch eine Zugabe und drängeln sich im Foyer nach Autogrammen und den mitgebrachten CDs.

Liegt es daran, dass diese Bissigkeit nie „verbissen“ rüberkommt? Dass Pispers trotz seiner oft tiefschwarzen und mitunter sogar bösartigen Bemerkungen leicht daherkommt, mit viel Wortwitz und echtem Charme? Dass er sein komödiantisches Talent mit urkomischen Parodien auf Angela Merkel unter Beweis stellt? Er sich selbst durchaus auch mit einbezieht in seine politische Gesellschaftskritik – und dass die nicht einseitig ist, sondern dass alle ihr Fett wegkriegen? Dabei variiert er auf spannende Art das Tempo, lässt neben feuerwerkartigen Redesalven auch mitunter Pausen zu, in denen das Gesagte beim Publikum richtig nach unten rutschen kann. „Wir haben nun mal nicht mehr genug Juden, denen man alles, was schief läuft, in die Schuhe schieben kann, deshalb nehmen wir jetzt die Migranten!“

Nicht alles, was im Fernsehen ist,
ist auch wirklich gut

29 Jahre tourt Pispers nun mit seinen Kabarett-Abenden durch die Republik – „und ich rede immer noch über die gleichen Probleme – es hat sich nämlich nichts geändert, trotz mehrfacher Regierungswechsel“. Deutschland als Zug, der auf seinen Schienen in eine einzige Richtung fährt, nämlich auf einen Abgrund, und „wir halten nicht an und steigen aus, sondern wählen ganz demokratisch alle vier Jahre einen neuen Lokführer“ – ein plastisches und eindringliches Bild.

Eine außergewöhnliche Zugabe: Mit einem Tipp zur „Reihe Kleinkunst“ macht er auf junge, wenig bekannte Kollegen aufmerksam, die nächste Woche in Solingen sind. „Wenn man noch nicht im Fernsehen war, kriegt man den Saal nicht voll“, schilderte er seine eigenen Anfänge. „Aber nicht alles, was im Fernsehen ist, ist gut – und Gutes ist nicht nur im Fernsehen.“