Snippets
Snippets
20.08.2011 12:48
Drucken Vorlesen Senden
Ein alter Walder rockt in Kalifornien

Das Gespräch führte Uli Preuss

Zuerst die Frage, die die regengebeutelten Solinger ganz besonders interessiert: Wie ist das Wetter? Kann man ohne zu zögern in den Pool springen?

Martin Gerschwitz: Das Wetter ist gerade in den letzten Wochen grandios, und ich springe jeden Tag in den Pool, ohne zu zögern.

In Solingen ist es gerade 19 Uhr, wie spät ist es bei euch? Ich frage das, weil man ja oft hört, dass Musiker erst spät aufstehen.

Gerschwitz: Wir leben auf halben Wege zwischen Los Angeles und San Diego und sind zeitlich neun Stunden hinter Deutschland. Hier ist es also 10 Uhr morgens und unsere drei Katzen lassen uns gar nicht erst ausschlafen, auch wenn wir wollten.

Gut fünf Gigs gibst du in Kalifornien in der Woche. Spielst du in Clubs oder auf Festivals – und wie viele Zuschauer hast du?

MARTIN GERSCHWITZ

WOHNORT In Laguna Niguel zwischen Los Angeles und San Diego lebt Martin Gerschwitz mit Ehefrau Trish Williams-Gerschwitz. Die Amerikanerin ist ursprünglich aus Mörfelden bei Frankfurt.

JUGEND Gerschwitz, der sein Abitur am Humboldtgymnasium machte, ist zusammen mit fünf Geschwistern in Wald aufgewachsen. Zwei sind neben ihm auch Profimusiker geworden – allerdings im klassischen Bereich.

AUSWANDERUNG Der Solinger wanderte 1985 in die USA aus, lebt seit 26 Jahren in den Staaten und ist 59 Jahre alt. Auftritte Ende der 60er Jahre erste Auftritte beim Tanztee der Stadtkirche. Die erste Band waren „The Avengers“, die heute noch als die „New Avengers“ spielen.

KOSTPROBE www.youtube.de,

Stichwort „Iron Butterfly“.

 

Gerschwitz: Manchmal sind es noch mehr Gigs, meistens Solos in Restaurants oder auch kleinen Clubs. Donnerstags allerdings mit einer richtig guten Band. Da sind dann alte Musiker wie der Ex-Bassist von „Santana“ oder der Neil-Diamond-Schlagzeuger dabei. Und ich natürlich als „Iron Butterfly“-Keyboarder und Sänger. Unser Publikum liegt so etwa zwischen 75 (in Restaurants) und ein paar Tausend (auf Festivals).

Du hast mit namhaften Musikern und Gruppen wie Eric Burdon oder Meat Loaf gespielt. Erzähl uns davon.

Gerschwitz: Etwa mit „Lita Ford“, wir waren 1988 Vorgruppe bei der „Bon Jovi“-Europatournee, dann mit Meat Loaf 1989/1990 im arabischen Raum. Mit der „Walter Trout Band“ habe ich in Australien und Singapur gespielt, aber auch im Getaway – alles zwischen 1998 und 2005. Mit „Eric Burdon & The Animals“ haben wir auf vier Kontinenten Konzerte in etwa 50 Ländern gegeben, auch in der Solinger Cobra.

Mit wem spielst du aktuell, und wolltest Du nicht irgendwann dein „eigenes Ding“ machen?

Gerschwitz: Seit 2005 bis heute spiele ich mit „Iron Butterfly“. Wir hatten viele Konzerte in Amerika, waren aber auch im vergangenen Jahr sieben Wochen in zwölf europäischen Ländern. Und ja, ich spiele in Amerika bewusst auch sehr oft viele meiner eigenen Songs, und darum geht’s mir heutzutage eigentlich. Ich möchte mir als „Martin Gerschwitz“ und mit meiner eigenen Musik einen Namen machen.

Für deinen alten Freund Torsten Linder, der vielen hier als Schlagzeuger legendärer Solinger Gruppen bekannt war und der im vergangenen Jahr starb, hast du ein sehr einfühlsames Lied komponiert. Komponierst du häufig Songs?

Gerschwitz: Ich habe mittendrin an einem Song gesessen, als ich von Jochen Schaaf den Anruf bekam (Anmerkung: Jochen Schaaf und Torsten Linder waren Musiker in Gerschwitz’ erster Band „The Avengers“ 1969). Diesen Song habe ich dann ohne zu zögern Torsten gewidmet, der ja dann auch auf der Beerdigung gespielt wurde. Ich komponiere häufig Songs, und ich texte natürlich auch – ich habe doch schon zehn CDs von mir veröffentlicht, meistens Instrumental-CDs, aber auch ein paar mit Vocals und Texten.

In Solingen bist du ein paar Mal im Gasthaus Schaaf aufgetreten, aber die großen Gigs hier hattest du in der Cobra mit Eric Burdon. Er und andere, mit denen Du aufgetreten bist, haben ja große Zeiten hinter sich. Sind die Stars „Mensch“ geblieben?

Gerschwitz: Na ja, teilweise – ich denke mal, manche von den alten Stars begreifen nicht, dass wir eben nicht mehr in den 60er Jahren leben, wo sie eben Legenden waren. Heute ist das eben nicht mehr so. Klar gehen die Leute gerne auf die Konzerte der alten Bands, weil sie da ihre Jugendzeit noch einmal durchleben können. Natürlich hatten die alten Songs auch sehr viel Substanz, viele erheblich mehr als die Musik heutzutage. Jetzt klinge ich natürlich genau wie meine Eltern (lacht). Aber die alten „Stars“ werden eben auch älter und leider nicht unbedingt besser, aber das begreifen sie dann manchmal nicht.

Was hast du vor in der nächsten Zeit? Ist auch wieder ein Solingen-Besuch geplant?

Gerschwitz: Spielen und auf Tournee gehen, so lange wie möglich. Dazu neue Songs schreiben und CDs aufnehmen. Was ich mache, hat sowieso alles mit Musik zu tun. Zum Beispiel habe ich hier in den USA auch zehn Klavier- und Geigenschüler. Von April bis Mai 2012 plane ich wieder eine Solo-Tournee durch Europa und komme – natürlich – gerne wieder in meine Heimatstadt Solingen. Gerne auch wieder ins Gasthaus Schaaf. Wirt Philipp Müller ist ja auch ein guter Freund, der mir und meiner Band „Martin Gerschwitz & friends“ unter anderem den Weg sehr geebnet hat. Vielleicht geht’s ja auch aufs „Dürpelfest“ – wir werden’s sehen!