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07.02.2012 09:39
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Ein Komponist voller Widersprüche

Von Christoph Bingel

„Ludwig van Beethoven – Ein musikalisch-literarisches Porträt“: Unter diesem Motto stand das Konzert der Werner Trenkner-Gesellschaft im Museum Baden. Sung-Hee Kim-Wüst (Klavier) und Hans Werner Wüst (Sprecher) zeichneten ein lebendiges Bild von Beethovens (1770-1827) Widersprüchlichkeit als Mensch und Musiker. Er war schwierig – impulsiv und jähzornig. Gleichzeitig stellte er an sich und andere hohe sittliche Ansprüche.

Frühen Klavierunterricht erhält Beethoven in seiner Geburtsstadt Bonn von seinem Vater, der ihn mit brutalen Methoden zu einem kleinen Mozart machen will. Triumphe feiert er aber in Wien, hier arbeitet er ab 1792 als freischaffender Komponist und Klaviervirtuose. Zu Beethovens Verbitterung trägt schließlich nicht nur das ausbleibende Liebesglück bei, sondern vor allem seine zunehmende Ertaubung.

Zu seinem erstaunlichen Lebenswerk gehören auch die 32 Klaviersonaten, aus denen Sung-Hee Kim-Wüst einzelne Sätze vorzüglich interpretierte. Im 1. und 3. Satz der „Appassionata“, op. 57, ließ die Pianistin einen wahren Sturm über die Tasten brausen. Fesselnd gelang auch der 1. Satz der „Pathetique“, op. 13, in dem Kim-Wüst die Zerrissenheit zwischen grimmigem Aufbegehren und Beschwichtigung grandios gestaltete. Einfühlsam fing sie die dunkel-romantische Stimmung im 1. Satz der „Mondscheinsonate“, op. 27 Nr. 2, ein. Furios wiederum meißelte sie mit über die Tasten fliegenden Fingern die bissige Schärfe des 3. Satzes heraus. Berührend der Ausklang mit dem 2. Satz der „Pathetique“: Riesiger Beifall.