LESUNG Lale Akgün (SPD) steht für einen modernen Islam.
Am Donnerstag kündigte sich hoher Besuch in der August-Dicke-Schule an der Schützenstraße an: Im Rahmen von „Sofia – Soroptimistinnen für interkulturellen Austausch“, einem Projekt von Soroptimist International Deutschland, las SPD-Politikerin Lale Akgün aus ihrem aktuellen Buch „Aufstand der Kopftuchmädchen“ vor, in dem sie unter anderem für einen aufgeklärten Islam plädiert.
„Religion und Integration sind zwei Paar Schuhe“
„Für die Orthodoxen sind Zeit und Ort stehengeblieben“, schreibt sie über die Auslegung der im Koran festgelegten Glaubenssätze. Man müsse den Geist hinter den Buchstaben finden. Die Essenz der ethischen Botschaften verrate: „Männer und Frauen sind gleichberechtigt.“ Es sei ein Appell an den demokratischen Staat: „Der in Deutschland ausgebildete Imam galt als neue Waffe der Integration“, wendet sich Lale Akgün an ihre Zuhörer. „Aber Religion kann nicht integriert werden. Islam und Integration sind zwei Paar Schuhe“, führt sie fort.
Ihre Worte sind kritisch und klar. Was sie zu sagen hat, hat sie auf 286 Seiten niedergeschrieben. Denn in der Integrationsdebatte ist es zwar ruhiger geworden, gelöst ist die Frage aber noch lange nicht. So beschreibt Akgün, was sie gesehen hat. Dabei bleibt die Autorin nicht allein bei der Integrationsfrage hängen: „Sie ist dann geglückt, wenn der Staat die Voraussetzungen schafft, dass sich jedes Individuum, ob gläubig oder nicht, einfügen kann.“
Die Politikerin fordert auch einen mit Demokratie vereinbaren modernen Islam: „Und da dürfen Mädchen, was auch Jungen dürfen.“ Außerdem, so belegt die Autorin mit Koranstellen, sei die Kopfbedeckung keine religiöse Pflicht. Die Schauermärchen, die jungen Frauen in den Moscheen eingebläut würden, müssten in die Vergangenheit verbannt werden. cs