KARRIERE Stadt Bonn will Andreas Oliver Koch als Teamleiter für ihr umstrittenes Konferenz-Zentrum.
Der Mann nimmt vielleicht bald auf einem der heißesten Stühle Deutschlands Platz: Der Solinger Andreas Oliver Koch (44) soll eine Projektgruppe leiten, die für die Bundesstadt das skandalträchtige World Conference Center Bonn (WCCB) zu einem guten Ende bringen soll. Ein Pleite-Projekt, das der „Bonner General-Anzeiger“ seit Sommer 2009 mit einer Serie unter dem Titel „Die Millionenfalle“ begleitet - Millionen, die am Ende wohl die Bürger zahlen müssen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt deshalb unter anderem gegen Ex-Oberbürgermeisterin Bärbel Dieckmann.
Bonner Ratsfraktionen müssen noch zustimmen
Jetzt soll es Koch richten. Viele Solinger dürften den Diplom-Kaufmann noch als Kommunalpolitiker kennen. Seit 1994 saß der Schwertstraßen-Abiturient für die CDU im Rat. Er leitete den Finanzausschuss und gehörte dem Stadtwerke-Aufsichtsrat an. 1999 übernahm er die Führung der Fraktion, trat aber 2002 aus beruflichen Gründen zurück und legte sein Ratsmandat nieder. Sein Job als Organisationsberater bei PricewaterhouseCoopers habe ihm nicht genug Zeit für die Politik gelassen, sagt Koch. Er habe zudem den Anschein möglicher Interessenskonflikte vermeiden wollen - die Wirtschaftsprüferfirma erstellt auch Gutachten für Kommunen. Koch, der mit seiner Frau seit 2005 in Köln wohnt, ist Spezialist für öffentliches Rechnungswesen.
Bonns Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch (SPD) hält den CDU-Mann Koch gerade wegen dessen Politikerfahrung für den geeigneten WCCB-Projektleiter. 2005 hatte die Stadt Bonn einem koreanischen Investor den Zuschlag für das WCCB (Tagungszentrum mit Hotel) erteilt. Doch der war keineswegs so finanzstark, wie er tat. Mehrere Millionen Euro seien „wahrscheinlich veruntreut“ worden, schreibt der „General-Anzeiger“. Außerdem explodierten die Kosten von 139 Millionen auf 200 Millionen Euro. Seit Herbst ruht die Baustelle. Manager wurden verhaftet, Firmen, die am Projekt beteiligt waren, gingen in die Insolvenz.
Die schwarz-grüne Ratsmehrheit in Bonn ist unzufrieden mit dem Krisenmanagement des Oberbürgermeisters. Darum ist unklar, ob sie dem Personalvorschlag folgt. „Ich habe mich am Freitag allen Fraktionen vorgestellt“, berichtet Koch. Nächste Woche fällt die Entscheidung. Koch hat vor der WCCB-Aufgabe „großen Respekt“, fühlt sich aber dank seiner Vita gut gewappnet. Wenn er die Projektleitung nicht bekommt, wechselt er im Juli wie geplant als Sachgebietsleiter ins Beteiligungsmanagement der Bundesstadt. ab