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13.08.2012 11:09
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Klinik-Streit: Chefarzt geht

Von Dirk Lotze und Jörn Tüffers

Der über Monate schwelende Streit zwischen Prof. Dr. Jacobus Pfisterer und dem Städtischen Klinikum vor dem Arbeitsgericht endet mit der Auflösung des Arbeitsvertrags: Der Chefarzt (53) der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe scheidet zum 31. August aus. Er erhält danach ein weiteres Monatsgehalt und eine „angemessene Abstandssumme“. Dies gab der Geschäftsführer des Klinikums, Hermann-Josef Bökmann, gestern Nachmittag nach Verhandlungen mit Pfisterers Anwalt bekannt. Arbeitsrichter Thomas Maercks hatte den beiden Parteien zuvor nahegelegt, eine außergerichtliche Einigung zu erzielen.

Pfisterer hatte gegen vier Abmahnungen durch seinen Arbeitgeber geklagt. Darin sei es um seine

KLINIK FÜR FRAUENHEILKUNDE Rund 80 der 1800 Beschäftigten des Städtischen Klinikums arbeiten in der Klinik. Der Chefarzt leitet sie.

AUSZEICHNUNG Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat die Abteilung als „babyfreundlich“ zertifiziert.

 Arbeitsleistungen und seine Person gegangen, hieß es vor Gericht.

Pfisterers Anwalt und die Prozessvertreter des Klinikums empfing Richter Thomas Maercks mit einer schlichten Frage: „Was ist los?“ Gewöhnlich würden Chefärzte nicht abgemahnt, Unstimmigkeiten nicht vor Gericht in öffentlicher Sitzung geklärt: „Wenn Sie weiter zusammenarbeiten wollen, dann brauchen Sie mich nicht. Und wenn nicht, brauchen Sie mich ebenso wenig.“ Es habe schon früher Gespräche mit Pfisterer über eine Auflösung des Vertrags gegeben, diese habe Pfisterer aber abgebrochen. Das erklärte Bökmann dem Gericht.

Für seinen Mandanten seien die Äußerungen der Klinik den Medien gegenüber unerträglich, sagte Pfisterers Anwalt. Bökmann hatte gegenüber dem ST die arbeitsrechtliche Auseinandersetzung begründet: „Ich musste die Reißleine ziehen.“

Durch den aktuellen Gütetermin vor Gericht seien beide Parteien wieder „auf Augenhöhe“, sagte Maercks. Wenig später gab Bökmann die Vertragsauflösung bekannt.

Pfisterer war vor drei Jahren als Hoffnungsträger ans Klinikums gekommen. Er war 2007 in der „Focus“-Ärzteliste genannt worden, sollte als Spezialist für Brustkrebs und gynäkologische Tumore die Gynäkologie am Klinikum wieder in ruhiges Fahrwasser führen. Zuvor hatte sich das Klinikum von Chefärztin Dr. Vesna Jovanovic getrennt. Die Frauenärztin hatte mehr als 400 000 Euro Abfindung erhalten.