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01.11.2011 12:30
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ST-Serie: Jusos kämpfen für mehr „Stimme“

Von Yvonne Mahnert

Haben die Jugendlichen heute weniger Interesse an Politik als früher? Oder sind es andere Gründe, weshalb die Anzahl politisch motivierter junger Menschen in Deutschland stetig zu sinken scheint? In Solingen spiegelt sich dieser Negativtrend vor allem bei den Sozialdemokraten wider. Deren Mitgliederzahl hat sich seit Ende der 90er Jahre von 1098 auf aktuell 658 nahezu halbiert. Von fast 900 Mitgliedern rutschte die Solinger Partei zuerst unter die 800er-, später gar unter die 700er-Marke. Dort hat sie sich seit 2007 eingependelt. Noch mehr als die schwindende Masse gibt die Altersstruktur Anlass zur Sorge. Nur zehn Prozent der Solinger Sozialdemokraten sind 35 Jahre oder jünger. Fast jeder zweite ist dagegen schon jenseits der 60.

DIE JUSOS IN DER SPD

STAMMTISCH Der nächste Stammtisch der Jung-sozialisten in der SPD findet am 10. November um 19 Uhr im Al B'Andy, Augustinerstr. 1, in Wald statt. Es dürfen nicht nur Mitglieder, sondern auch alle anderen Inte-ressierten zum Stammtisch kommen. Die Mitglieder sind zwischen 14 und 35 Jahren alt.

KONTAKT Auf der Internetseite werden auch dioe Termine für Stammtische veröffentlicht: www.jusos-solingen.de

Kontakt per E-Mail: mail@jusos-solingen.de

Auch bei facebook und StudiVZ sind die Jusos vertreten.

SPD schnitt bei Wahl 2009 schlecht ab – Brenner meldete sich bei Jusos an

Die Arbeitsgemeinschaft der Jungsozialistinnen und Jungsozialisten der SPD, kurz Jusos, besteht momentan aus 20 aktiven Mitgliedern. Zwei davon sind Vorsitzender Sebastian Broch (22) und Vorstandsmitglied Christian Brenner (24). Sie erzählen, dass der große Zeitaufwand oft hinderlich ist, wenn man politisch etwas erreichen möchte. Die Mitglieder seien eher Schüler und Studenten, weniger erwerbstätige Menschen. So erschweren mehrere Termine pro Woche die politische Beteiligung. „Das Engagement schließt Leute aus, die arbeiten gehen“, so Brenner, der als selbstständiger Finanzberater tätig ist.

Ein Blick auf die Altersspanne der SPD-Mitglieder scheint dies zu bestätigen: Fast 65 Prozent der Mitglieder sind über 60, dagegen gibt es nur wenige junge Menschen. Auch die Verteilung der Rechte innerhalb der SPD ist eine Hemmschwelle, ergänzt Broch, Student der Sozialwissenschaften. „Wenn man Mitglied wird, hat man beispielsweise in Solingen noch kein Stimmrecht auf Parteitagen. Dieses Recht obliegt bisher nur den Delegierten, also einer Handvoll ausgewählter Personen.“ Daher versuchen die Jusos, die Partei „von innen heraus“ zu verändern und etwa ein gleichberechtigtes Stimmrecht aller Mitglieder einzuführen.

Weitere Aktionen sollen auch die Aufklärungsarbeit voranbringen. „Wir stehen öfters vor Schulen und sprechen mit den Jugendlichen über verschiedene Themen. Ähnliches versuchen wir auch bei den Fußballturnieren, die wir regelmäßig veranstalten“, sagt Broch. „Und an unserem Stammtisch kann man mit uns über Politik diskutieren oder schlichtweg Informationen bekommen“, fügt Brenner hinzu.

Grund für die beiden jungen Männer, den Jusos beizutreten, war der Wunsch, selbst aktiv mitzugestalten. Brenner war enttäuscht, als die SPD bei der Bundestagswahl 2009 schlecht abschnitt. Am nächsten Tag habe er sich bei den Jusos gemeldet. Er kritisiert jedoch den geringen Realitätsbezug der Jusos auf Bundesebene, das weniger wirtschaftliche Denken. Auch Broch sei daher am Anfang noch eher skeptisch gewesen. „Wie viele andere Solinger Jusos vertrete ich eine sozialliberale Meinung, die selten zu den Vorstellungen der Jusos im Bund passt.“

Mittlerweile ist er stellvertretender sachkundiger Bürger im Jugendhilfeausschuss. So vertritt er auch Belange der Kinder und Jugendlichen – eine Tätigkeit, von der auch sein Kollege Brenner bald profitieren kann, wird dieser im Frühjahr doch Vater.